Zum Inhalt springen
Beyond Imaging Logo Standard neg
Termin buchen

Perikarditis (Herzbeutelentzündung)

Herzbeutelentzuendung

Was bedeutet Perikarditis?

Als Perikarditis bezeichnet man eine Entzündung des Herzbeutels, häufig verbunden mit einer Flüssigkeitsansammlung im Perikardraum. Der Herzbeutel (Perikard) ist eine zweischichtige Hülle, die das Herz umgibt und zwischen ihren Blättern normalerweise eine kleine Menge Flüssigkeit (weniger als 25 bis 50 ml) enthält. Diese sorgt für eine reibungsarme Beweglichkeit des Herzens.

Nach dem Verlauf werden eine akute, eine subakute und eine chronische Form unterschieden. Eine Perikarditis gilt als chronisch, wenn sie länger als sechs Monate besteht.

Die umgangssprachlich auch als Herzbeutelentzündung bekannte Erkrankung kann unterschiedliche Verläufe nehmen und erfordert eine differenzierte medizinische Abklärung.

Ursachen und Entstehung von Perikarditis

Eine Perikarditis kann durch eine Vielzahl unterschiedlicher Auslöser entstehen. Häufig handelt es sich um Infektionen, einen Herzinfarkt, ein Trauma, Tumoren oder Stoffwechselerkrankungen; in vielen Fällen bleibt die Ursache ungeklärt und wird als idiopathisch bezeichnet.

Da ein akutes koronares Ereignis oft mit ähnlichen Brustschmerzen einhergeht, ist es wichtig, bei Verdacht auf einen Herzinfarkt – Warnsignale ernstnehmen zu können, um lebensbedrohliche Notfälle rechtzeitig zu erkennen.

Unter den infektiösen Ursachen stehen Viren im Vordergrund; bakterielle Entzündungen kommen seltener vor und können beispielsweise im Anschluss an eine Lungenentzündung, eine Blutvergiftung oder einen herzchirurgischen Eingriff auftreten. Auch Pilz- oder Parasiteninfektionen sind möglich. Weltweit zählt die tuberkulöse Perikarditis zu den häufigsten Ursachen einer chronischen konstriktiven Perikarditis.

Nicht-infektiöse Auslöser sind unter anderem systemische rheumatische Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis oder systemischer Lupus erythematodes, eine Urämie bei Nierenversagen, eine Strahlentherapie im Brustbereich, bestimmte Medikamente sowie Tumorerkrankungen, am häufigsten Lungenkrebs, Brustkrebs, Leukämien oder Lymphome. Auch nach einem Herzinfarkt oder einer Herzoperation kann sich eine Perikarditis entwickeln.

Therapeutische Bestrahlungen im Brustbereich können das Organgewebe belasten. Der Einfluss von Strahlentherapie auf das Herz wird daher kardiologisch genau überwacht, um entzündliche Spätfolgen am Perikard frühzeitig zu minimieren.

Vereinfacht entsteht die Erkrankung dadurch, dass die normalerweise glatten Blätter des Herzbeutels entzündet werden. In der Folge kann sich vermehrt Flüssigkeit zwischen den Blättern ansammeln (Perikarderguss). Bildet sich die Flüssigkeitsmenge zu schnell oder zu groß, drückt sie das Herz von außen zusammen und behindert dessen Füllung – dies wird als Herzbeuteltamponade bezeichnet und stellt einen lebensbedrohlichen Notfall dar. Bei langanhaltender oder wiederkehrender Entzündung kann das Perikard zudem narbig verdicken oder verkalken und das Herz wie ein starrer Mantel umschließen (konstriktive Perikarditis).

Wenn die Flüssigkeitsansammlung das Organ massiv komprimiert, liegt eine akute Herzbeuteltamponade vor, die sofort entlastet werden muss, um ein Pumpversagen zu verhindern.

Typische Symptome und Warnzeichen bei Perikarditis

Das Beschwerdebild richtet sich nach dem Verlauf und nach der Menge des Ergusses. Selbst große Flüssigkeitsmengen können beschwerdefrei bleiben, wenn sie sich nur langsam – etwa über Monate – entwickeln.

Für die akute Perikarditis sind Brustschmerzen, Fieber und ein bei der Untersuchung hörbares Reibegeräusch typisch; gelegentlich kommt Atemnot hinzu. Charakteristisch ist die Art der Schmerzen: Ein dumpfer oder stechender Schmerz hinter dem Brustbein, der in den Hals oder die Schulter ausstrahlen kann und der sich durch Bewegung, Husten, Atmung oder Schlucken verstärkt. Durch Aufsitzen und Vornüberlehnen lässt der Schmerz typischerweise nach. Begleitend können eine beschleunigte Atmung, ein trockener Husten, Schüttelfrost und allgemeine Abgeschlagenheit auftreten.

Bei 15 bis 25 % der Betroffenen mit idiopathischer Perikarditis treten die Beschwerden nach Monaten oder Jahren erneut auf (rezidivierende Perikarditis).

Warnzeichen für eine bedrohliche Herzbeuteltamponade sind ein deutlicher Blutdruckabfall, eine ausgeprägte Beschleunigung des Pulses, stark gestaute Halsvenen und zunehmende Atemnot.

Bei der chronischen konstriktiven Form stehen Zeichen einer venösen Stauung im Vordergrund: Beinödeme, gestaute Halsvenen, eine Lebervergrößerung sowie Belastungsatemnot und ausgeprägte Müdigkeit.

Neben dem Herzbeutel können auch andere Gewebeschichten des Herzens von einer Entzündung betroffen sein, wie es beispielsweise bei einer Endokarditis der inneren Herzhaut der Fall ist.

Diagnostische Verfahren bei Perikarditis

Die Diagnose einer Perikarditis stützt sich auf eine Kombination aus klinischer Untersuchung, Elektrokardiogramm und Bildgebung.

Zunächst werden ein EKG und eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs angefertigt. Die Echokardiographie (Herzultraschall) wird durchgeführt, um Ergüsse, eine drohende Tamponade und Wandbewegungsstörungen, die auf eine Mitbeteiligung des Herzmuskels hindeuten, zu erkennen. Ergänzend liefern Blutuntersuchungen Hinweise auf eine Entzündung, beispielsweise durch erhöhte Werte des C-reaktiven Proteins oder der Blutsenkungsgeschwindigkeit.

Zur genaueren Darstellung des gesamten Brustraumes und zum Ausschluss anderer Erkrankungen der Lunge oder der Gefäße kann eine Computertomographie, ein sogenannter CT Thorax, durchgeführt werden.

Die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT) spielen eine wichtige Rolle bei der weiterführenden Abklärung, insbesondere wenn es um die Beurteilung des Perikardgewebes selbst und um die Erkennung einer konstriktiven Perikarditis geht.

Ein MRT Thorax ermöglicht es, Weichgewebestrukturen im Brustkorb detailliert und ohne jegliche Strahlenbelastung zu untersuchen.

Zusätzlich kann eine Computertomographie des Herzens, auch als Herz CT bezeichnet, eingesetzt werden, um insbesondere Kalkablagerungen im Perikard präzise zu lokalisieren.

CT und MRT können eine Verdickung des Perikards von mehr als 5 mm darstellen. Eine Perikardverdickung von mehr als 4 mm zusammen mit typischen Druckveränderungen im Herzen kann eine konstriktive Perikarditis bestätigen. Wichtig ist jedoch: Eine normale Dicke des Perikards schließt eine konstriktive Perikarditis nicht aus.

Die CT eignet sich besonders gut zur Darstellung von Verkalkungen des Herzbeutels, wie sie bei der chronisch konstriktiven Perikarditis häufig zu finden sind. Ein Perikarderguss kann in der CT zwar erkannt werden, häufig zufällig im Rahmen anderer Untersuchungen, allerdings wird die Größe dabei oft überschätzt; die CT ist deshalb kein Verfahren der ersten Wahl zur Beurteilung eines möglichen Perikardergusses.

Die kardiale MRT bietet darüber hinaus die Möglichkeit, das aktive Entzündungsgeschehen sichtbar zu machen. Mit der MRT kann das Vorliegen, der Schweregrad und die Ausdehnung einer Perikarditis beurteilt werden; sie ist für die Diagnose einer akuten Perikarditis im Allgemeinen jedoch nicht erforderlich. Ein besonderer Vorteil liegt darin, dass die MRT eine Ausdehnung der Entzündung auf den darunterliegenden Herzmuskel (Myoperikarditis) erkennen kann, was in 15 bis 24 % der Fälle auftritt. Spezielle MRT-Aufnahmen mit Kontrastmittel können zudem zwischen einer aktiven, medikamentös behandelbaren Entzündung und einer chronischen, vernarbten Form unterscheiden helfen.

Für diese hochspezialisierte Gewebecharakterisierung des Herzmuskels und des Herzbeutels ist das Kardio MRT der unangefochtene Goldstandard der nicht-invasiven Bildgebung.

Eine solche zeitgleiche Beteiligung des Myokards entspricht einer kombinierten Perimyokarditis. Weitere Details zu den Mechanismen dieser Erkrankung finden Sie im Artikel über die Herzmuskelentzündung.

Lässt sich die Ursache nicht eindeutig klären oder besteht ein anhaltender Erguss, können eine Punktion der Perikardflüssigkeit oder in seltenen Fällen eine Gewebeprobe (Biopsie) sowie eine Herzkatheteruntersuchung erforderlich sein.

Wenn im Rahmen einer systemischen Erkrankung oder zur Tumorsuche eine umfassende Untersuchung des gesamten Organismus notwendig ist, bietet sich ein Ganzkörper MRT an, um Entzündungsherde oder Metastasen im gesamten Körper aufzuspüren.

Behandlungsmöglichkeiten bei Perikarditis

Die Therapie richtet sich nach der Ursache, dem Schweregrad und nach möglichen Komplikationen. Bei einer akuten Perikarditis stehen zunächst die Linderung der Schmerzen und die Eindämmung der Entzündung im Vordergrund.

Eingesetzt werden nichtsteroidale Antirheumatika (zum Beispiel Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen) in Kombination mit Colchicin; bei ausgewählten Patientinnen und Patienten – insbesondere bei nicht-infektiösen Ursachen oder unzureichendem Ansprechen – können zusätzlich Kortikosteroide gegeben werden. Colchicin reduziert nachweislich die Rückfallrate und das Anhalten der Beschwerden bei einer ersten Episode.

Bei einer Herzbeuteltamponade ist eine sofortige Perikardpunktion (Perikardiozentese) erforderlich; bereits die Entfernung kleiner Flüssigkeitsmengen kann lebensrettend sein. Wiederkehrende oder anhaltend symptomatische Ergüsse können eine perkutane oder chirurgische Drainage erforderlich machen.

Bei bakteriellen Ursachen erfolgt eine gezielte Antibiotikatherapie, bei tuberkulöser Perikarditis eine tuberkulostatische Behandlung. Liegt eine Grunderkrankung wie eine rheumatische Systemerkrankung oder eine Tumorerkrankung vor, richtet sich die Therapie nach dieser Grunderkrankung.

Der Zusammenhang zwischen rheumatischen Erkrankungen und kardialen Komplikationen wird im Detail im Beitrag Rheuma und das Herz erläutert.

Eine chronische konstriktive Perikarditis mit ausgeprägten Beschwerden erfordert in der Regel eine operative Entfernung des verdickten Herzbeutels (Perikardresektion); bei früh diagnostizierter Konstriktion ohne Zeichen der Chronifizierung kann zunächst über etwa drei Monate eine medikamentöse, entzündungshemmende Behandlung versucht werden.

Wann sollte bei Perikarditis ärztliche Hilfe gesucht werden?

Eine zeitnahe ärztliche Abklärung ist immer dann ratsam, wenn neu aufgetretene Brustschmerzen bestehen – insbesondere, wenn sich diese atemabhängig verstärken, beim Liegen zunehmen und im Sitzen mit nach vorn gebeugtem Oberkörper nachlassen. Auch begleitendes Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl oder anhaltende Beschwerden nach einer Virusinfektion, einem Herzinfarkt oder einer Herzoperation sollten ärztlich beurteilt werden.

Als medizinischer Notfall mit sofortiger Alarmierung des Rettungsdienstes gelten plötzlich einsetzende, starke Brustschmerzen, zunehmende Atemnot, ein deutlicher Blutdruckabfall, Bewusstseinsstörungen oder sichtbar gestaute Halsvenen – all dies können Hinweise auf eine Herzbeuteltamponade sein, die unbehandelt lebensbedrohlich ist.

Auch ein Wiederauftreten der Beschwerden nach einer bereits durchgemachten Perikarditis sollte zeitnah abgeklärt werden, da Rückfälle nicht selten sind und einer angepassten Therapie bedürfen.

Weiterführende Informationen

Für ein tieferes Verständnis von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und deren Diagnose empfehlen wir Ihnen die folgenden Beiträge:

Erfahren Sie mehr über die Diagnosemöglichkeiten im direkten Vergleich unter Kardio CT vs Kardio MRT.

Einen umfassenden Überblick über kardiale Pathologien bietet Ihnen unser Artikel über Die 6 häufigsten Herzkrankheiten.

Sollten Sie unter unklaren Beschwerden im Brustbereich leiden, hilft Ihnen der Ratgeber Was tun bei Herzstechen? weiter.

Um die genauen physiologischen Abläufe bei akuten Durchblutungsstörungen zu verstehen, lesen Sie auch Was passiert bei einem Herzinfarkt?.

Quellen

Quellen: MSD Manual Profi-Ausgabe (Perikarditis, B. D. Hoit, überprüft 2024); 2015 ESC Guidelines for the diagnosis and management of pericardial diseases (Adler Y. et al., European Heart Journal 2015); weitere im MSD-Manual referenzierte kardiologische Fachpublikationen zur perikardialen Bildgebung.