Schmerzen im Becken, in der Leiste oder an der Außenseite der Hüfte lassen sich nicht immer eindeutig einem bestimmten Bereich zuordnen. Die Beschwerden können vom Hüftgelenk selbst ausgehen, aber auch durch Muskeln, Sehnen, den gelenknahen Knochen oder andere Strukturen des Beckens verursacht werden. Eine genaue körperliche Untersuchung und die bisher erhobenen Befunde sind deshalb entscheidend für die Wahl des passenden bildgebenden Verfahrens.
Die Magnetresonanztomographie, kurz MRT, kann die Hüftgelenke und das umliegende Gewebe detailliert darstellen. Sie arbeitet ohne Röntgenstrahlung und eignet sich besonders zur Beurteilung von Knorpel, Gelenklippe, Knochenmark, Muskeln, Sehnen und Bändern. Ergänzend zu einer MRT des Beckens kann sie sinnvoll sein, wenn die Beschwerden eher aus dem Hüftgelenk oder aus der Übergangszone zwischen Becken und Hüfte stammen.
Was zeigt eine MRT der Hüfte?
Bei einer MRT der Hüfte entstehen Schnittbilder in mehreren Ebenen. Je nach Fragestellung werden das Hüftgelenk, der Hüftkopf, die Hüftpfanne sowie die angrenzenden Knochen und Weichteile untersucht.
Im Mittelpunkt können unter anderem folgende Strukturen stehen:
- Gelenkknorpel und Gelenkspalt
- Labrum, die Gelenklippe der Hüftpfanne
- Knochenmark und gelenknahe Knochen
- Gelenkkapsel und Bänder
- Muskeln und Sehnenansätze
- Schleimbeutel und umgebendes Weichteilgewebe
- Hüftkopf und Hüftpfanne
Die MRT kann zum Beispiel Flüssigkeit im Gelenk, Knorpelschäden, Knochenmarkveränderungen, entzündliche Reaktionen oder Verletzungen von Muskeln und Sehnen sichtbar machen. Auch Veränderungen, die im Röntgenbild noch nicht eindeutig erkennbar sind, können in bestimmten Situationen mit der MRT weiter abgeklärt werden. 1) 2)


Wann ist eine MRT der Hüfte sinnvoll?
Eine MRT kommt meist dann infrage, wenn die Beschwerden anhalten, die Ursache nach der ersten Untersuchung unklar bleibt oder ein bestimmter Befund genauer beurteilt werden soll. Bei länger bestehenden Hüftschmerzen wird häufig zunächst eine Röntgenaufnahme angefertigt. Zeigt diese keine eindeutige Ursache oder reichen die Informationen für die weitere Behandlung nicht aus, kann eine MRT zusätzliche Hinweise liefern. 3)
Bei Schmerzen in der Leiste oder im Hüftgelenk
Schmerzen im vorderen Hüftbereich oder in der Leiste können auf eine Erkrankung innerhalb des Hüftgelenks hinweisen. Typisch sind Beschwerden beim Gehen, Treppensteigen, Aufstehen oder bei bestimmten Bewegungen. Manche Betroffene bemerken zusätzlich eine eingeschränkte Beweglichkeit oder ein schmerzhaftes Klicken.
Eine MRT kann in dieser Situation den Knorpel, die Gelenklippe und die gelenknahen Knochen beurteilen. Sie kann außerdem zeigen, ob ein Gelenkerguss oder eine Reizung der Gelenkinnenhaut vorliegt. Bei Verdacht auf eine Verletzung des Labrums oder auf bestimmte Knorpelschäden kann in ausgewählten Fällen eine MR-Arthrographie sinnvoll sein. Dabei wird Kontrastmittel direkt in das Gelenk eingebracht, damit feine Veränderungen an der Gelenklippe oder am Knorpel besser sichtbar werden. Wegen des invasiveren Vorgehens wird diese Untersuchung gezielt und nicht routinemäßig eingesetzt. 4) 5)
Bei Verdacht auf Knorpelschäden oder ein Impingement
Beim femoroazetabulären Impingement passen Hüftkopf und Hüftpfanne bei bestimmten Bewegungen nicht optimal zueinander. Dadurch können die Gelenklippe und der Knorpel belastet werden. Betroffene berichten häufig über Schmerzen bei Beugung und Drehung der Hüfte, etwa beim Sport oder beim längeren Sitzen.
Die MRT kann mögliche Veränderungen an Knorpel und Labrum darstellen. Zusätzlich können knöcherne Formveränderungen beurteilt werden. Welche Untersuchung am besten geeignet ist, hängt vom klinischen Verdacht und von den bereits vorhandenen Röntgen- oder CT-Befunden ab. 6)
Bei Verletzungen und sportbedingten Beschwerden
Nach einer sportlichen Belastung oder Verletzung können Muskeln, Sehnen, Bänder, Knorpel oder der Knochen betroffen sein. Nicht jede Verletzung ist im Röntgenbild erkennbar, weil dort vor allem die knöchernen Strukturen beurteilt werden.
Eine MRT kann Weichteilverletzungen und Knochenmarkveränderungen genauer zeigen. Dazu zählen beispielsweise Reizungen oder Verletzungen von Sehnenansätzen, Muskelverletzungen und bestimmte Überlastungsschäden. Auch bei Verdacht auf eine Stressfraktur, also einen Ermüdungsbruch, kann die MRT wichtige Informationen liefern. 1) 7)
Bei unklaren Knochenmarkveränderungen
Knochenmarkveränderungen können unterschiedliche Ursachen haben. Sie können beispielsweise nach einer Überlastung, bei einer Verletzung, bei Durchblutungsstörungen des Hüftkopfes oder im Rahmen entzündlicher Prozesse auftreten.
Die MRT kann solche Veränderungen frühzeitig erfassen und ihre Lage sowie Ausdehnung beurteilen. Auch eine Osteonekrose des Hüftkopfes, bei der Knochengewebe durch eine gestörte Blutversorgung geschädigt wird, lässt sich mit der MRT weiter abklären. Je nach Fragestellung kann eine Kontrastmittelgabe erforderlich sein. 2)
Bei Beschwerden an der Außenseite der Hüfte
Schmerzen an der Außenseite der Hüfte entstehen nicht zwangsläufig im Gelenk. Häufig kommen auch Sehnen, Muskeln oder Schleimbeutel als Ursache infrage. Solche Beschwerden werden beispielsweise durch Belastung, Liegen auf der betroffenen Seite oder bestimmte Bewegungen verstärkt.
Wenn der Verdacht auf eine nichtinfektiöse Veränderung außerhalb des Gelenks besteht und Röntgenaufnahmen keine ausreichende Erklärung liefern, kann eine MRT der Hüfte zur Beurteilung von Sehnen, Muskeln und Schleimbeuteln eingesetzt werden. 3) 8)
MRT-Becken oder MRT-Hüfte: Wo liegt der Unterschied?
Eine MRT des Beckens und eine MRT der Hüfte können sich in ihrem Untersuchungsbereich überschneiden. Dennoch unterscheiden sie sich in der diagnostischen Zielsetzung.
Bei einer MRT des Beckens können je nach Fragestellung größere Bereiche des Beckens, der Beckenorgane, des Beckenbodens oder der knöchernen Strukturen untersucht werden. Sie kommt beispielsweise infrage, wenn Beschwerden nicht eindeutig von einem Hüftgelenk ausgehen oder wenn Organe und Gewebe des kleinen Beckens beurteilt werden sollen.
Die MRT der Hüfte konzentriert sich stärker auf das Hüftgelenk und seine unmittelbare Umgebung. Sie eignet sich insbesondere für Fragen zu Knorpel, Labrum, Hüftkopf, Hüftpfanne, Sehnen, Muskeln und gelenknahen Knochen.
Eine zusätzliche Hüft-MRT kann daher sinnvoll sein, wenn eine vorausgegangene Beckenuntersuchung die Beschwerden nicht ausreichend erklärt oder wenn die Symptome bei der klinischen Untersuchung eher dem Hüftgelenk zugeordnet werden. Umgekehrt kann bei unklaren Beschwerden im Beckenbereich eine reine Hüftuntersuchung zu kurz greifen. Die Entscheidung richtet sich nach den Symptomen, der Untersuchung und der konkreten diagnostischen Frage.
Wie läuft die Untersuchung ab?
Vor der MRT wird besprochen, welche Beschwerden bestehen und welche Befunde bereits vorliegen. Frühere Röntgen-, CT- oder MRT-Aufnahmen können hilfreich sein, damit Veränderungen im Verlauf beurteilt werden können.
Während der Untersuchung liegt die Patientin oder der Patient auf dem Rücken. Die Hüfte wird in der MRT-Spule positioniert. Diese Spule empfängt die Signale, aus denen anschließend die Schnittbilder berechnet werden. Die Untersuchung selbst ist nicht schmerzhaft. Wichtig ist, möglichst ruhig zu liegen, da Bewegungen die Bildqualität beeinträchtigen können.
Je nach Fragestellung dauert die Untersuchung unterschiedlich lange. In manchen Fällen reicht eine MRT ohne Kontrastmittel aus. Wenn bestimmte entzündliche, tumoröse oder durchblutungsbezogene Veränderungen beurteilt werden sollen, kann ein intravenös verabreichtes Kontrastmittel erforderlich sein. Bei einer MR-Arthrographie wird das Kontrastmittel dagegen direkt in das Hüftgelenk eingebracht. Dieses Verfahren wird nur bei einer passenden klinischen Fragestellung eingesetzt.
Welche Risiken und Einschränkungen gibt es?
Die MRT verwendet keine ionisierende Strahlung. Trotzdem ist sie nicht für jede Person ohne weitere Prüfung geeignet. Vor der Untersuchung muss angegeben werden, ob sich Metall oder elektronische Implantate im Körper befinden. Dazu gehören beispielsweise bestimmte Herzschrittmacher, Defibrillatoren, Pumpensysteme oder andere medizinische Implantate.
Auch metallische Fremdkörper, insbesondere im Bereich der Augen, frühere Operationen und ausgeprägte Platzangst sollten vorab angesprochen werden. Viele moderne Implantate sind grundsätzlich MRT-tauglich, die genaue Prüfung des jeweiligen Modells bleibt jedoch notwendig.
Wird ein Kontrastmittel benötigt, müssen bekannte Reaktionen auf Kontrastmittel sowie relevante Nieren- oder andere Vorerkrankungen mitgeteilt werden. Eine Schwangerschaft oder mögliche Schwangerschaft sollte ebenfalls vor der Untersuchung angesprochen werden.
Die Aussagekraft kann eingeschränkt sein, wenn die Patientin oder der Patient nicht ruhig liegen kann oder wenn Metallimplantate starke Bildstörungen verursachen. Bei einer MR-Arthrographie kommen die Risiken des zusätzlichen Gelenkeingriffs hinzu. Deshalb wird diese Untersuchung nur durchgeführt, wenn der erwartete diagnostische Nutzen die Belastung rechtfertigt.
Welche Untersuchungen kommen alternativ infrage?
Das Röntgen ist bei vielen Hüftbeschwerden die erste bildgebende Untersuchung. Es kann unter anderem knöcherne Formveränderungen, fortgeschrittene Arthrose oder Frakturen darstellen. Bei akuten Verletzungen und komplexen knöchernen Fragestellungen kann eine CT sinnvoll sein, da sie Knochenstrukturen sehr detailliert abbildet.
Die Ultraschalluntersuchung eignet sich zur Beurteilung bestimmter oberflächlicher Weichteile, von Sehnen und Schleimbeuteln. Sie kann außerdem bei ausgewählten Fragestellungen dynamisch eingesetzt werden.
Die MRT bietet ihren größten Vorteil bei der Beurteilung von Knorpel, Labrum, Knochenmark, Muskeln und Sehnen. Welches Verfahren gewählt wird, hängt deshalb nicht allein von der Schmerzintensität ab. Entscheidend ist, welche Ursache vermutet wird und welche Information für die weitere Behandlung benötigt wird.
Wann sollte ärztliche Hilfe gesucht werden?
Hüft- oder Leistenschmerzen sollten ärztlich abgeklärt werden, wenn sie neu auftreten, über längere Zeit bestehen, wiederkehren oder die Beweglichkeit deutlich einschränken. Nach einem Sturz oder Unfall ist eine zeitnahe Untersuchung besonders wichtig, auch wenn zunächst keine ausgeprägte Schwellung sichtbar ist.
Rasch medizinische Hilfe ist erforderlich bei:
- starken Schmerzen nach einem Unfall oder Sturz
- einer plötzlich deutlich eingeschränkten Belastbarkeit
- einer Fehlstellung oder Verkürzung des Beins
- Fieber und starken Schmerzen im Hüftbereich
- einer zunehmenden Schwellung oder Rötung
- ausgeprägter Schwäche oder einer schnellen Verschlechterung des Allgemeinzustands
- Taubheitsgefühlen oder neuen Lähmungserscheinungen
Ob eine MRT der Hüfte oder eine MRT des Beckens erforderlich ist, wird nach der ärztlichen Untersuchung entschieden. Eine zusätzliche Hüft-MRT ist vor allem dann sinnvoll, wenn die Beschwerden eher aus dem Hüftgelenk oder den gelenknahen Strukturen stammen und andere Untersuchungen die Ursache nicht ausreichend erklären. Sie kann Knorpel, Labrum, Knochenmark, Muskeln und Sehnen detailliert darstellen und dadurch die weitere Diagnostik gezielter machen.
Quellen
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch einen Arzt oder einen Arzt.

