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Bradykardie

Bradykardie

Als Bradykardie (von griechisch bradys = langsam und kardia = Herz) wird ein dauerhaft verlangsamter Herzschlag bezeichnet. Beim Erwachsenen liegt die normale Ruhefrequenz zwischen etwa 60 und 100 Schlägen pro Minute. Schlägt das Herz in Ruhe regelmäßig langsamer als 60 Schläge pro Minute, spricht man von einer Bradykardie.

Was bedeutet Bradykardie?

Eine niedrige Herzfrequenz ist nicht zwangsläufig krankhaft. Bei gut trainierten Sportlern, bei Kindern und Jugendlichen sowie im Schlaf ist eine Sinusbradykardie häufig physiologisch und Ausdruck eines gut funktionierenden Herz-Kreislauf-Systems. Eine behandlungsbedürftige Bradykardie liegt erst dann vor, wenn die niedrige Frequenz Beschwerden verursacht oder auf eine Erkrankung des Reizbildungs- oder Reizleitungssystems zurückgeht.

Eine verlangsamte Herzfrequenz kann gemeinsam mit einer beschleunigten Herzaktion auftreten – etwa beim Bradykardie-Tachykardie-Syndrom. Wie sich eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen davon unterscheidet und welche Rolle der Blutfluss in den Vorhöfen spielt, erläutert der Beitrag Vorhofflimmern.

Bradykardie

Ursachen und Entstehung von Bradykardie

Der Herzschlag wird durch den Sinusknoten im rechten Vorhof getaktet – den natürlichen Schrittmacher des Herzens. Von dort läuft die elektrische Erregung über den AV-Knoten und das nachgeschaltete Reizleitungssystem in die Herzkammern. Eine Bradykardie entsteht, wenn der Sinusknoten zu langsam Impulse bildet oder wenn diese Impulse auf ihrem Weg in die Herzkammern verzögert oder blockiert werden.

Grundsätzlich werden zwei große Gruppen unterschieden:

Sinusknotenerkrankungen. Beim sogenannten Sick-Sinus-Syndrom (Sinusknotensyndrom) arbeitet der natürliche Schrittmacher unzuverlässig. Möglich sind eine dauerhaft zu langsame Sinusbradykardie, kurze Aussetzer (Sinuspausen, Sinusarrest), ein abwechselnd zu langsamer und zu schneller Rhythmus (Bradykardie-Tachykardie-Syndrom) oder die Unfähigkeit, die Herzfrequenz unter Belastung ausreichend zu steigern (chronotrope Inkompetenz). Häufigste Ursache ist eine altersbedingte Umbauung (Fibrose) des Sinusknotengewebes.

Atrioventrikuläre Blockierungen (AV-Blöcke). Hier ist die Weiterleitung der elektrischen Erregung vom Vorhof zur Herzkammer gestört. Je nach Schweregrad wird zwischen AV-Block ersten, zweiten und dritten Grades unterschieden; beim AV-Block dritten Grades ist die Weiterleitung vollständig unterbrochen, sodass ein nachgeordneter Ersatzschrittmacher mit deutlich niedrigerer Frequenz einspringt.

Auslöser können innerhalb des Herzens liegen (intrinsisch) – etwa durch altersbedingte Veränderungen, koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, Herzmuskelentzündung oder Erkrankungen, die das Herzmuskelgewebe verändern – oder von außen einwirken (extrinsisch). Zu den extrinsischen Auslösern zählen insbesondere Medikamente (z. B. Betablocker, bestimmte Kalziumkanalblocker, Digitalispräparate, Antiarrhythmika), eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), Elektrolytstörungen, eine obstruktive Schlafapnoe sowie ein gesteigerter Einfluss des Nervus vagus (z. B. bei einer neurokardialen Synkope).

Viele Ursachen einer Bradykardie liegen im Herzmuskel oder in den Herzkranzgefäßen selbst. Vertiefende Informationen zu wichtigen intrinsischen Auslösern bieten die Beiträge Herzmuskelentzündung und Herzinfarkt; zur zugrunde liegenden Gefäßverkalkung der Herzkranzgefäße informiert der Beitrag Arteriosklerose.

Symptome und Warnzeichen bei Bradykardie

Eine Bradykardie kann lange unbemerkt bleiben. Beschwerden entstehen meist erst dann, wenn das Herz nicht mehr genug Blut auswirft, um Gehirn und übrige Organe ausreichend zu versorgen. Mögliche Anzeichen sind:

  • Müdigkeit, allgemeine Schwäche und nachlassende Leistungsfähigkeit
  • eingeschränkte Belastbarkeit, Luftnot bei Anstrengung
  • Schwindel oder ein Gefühl der Benommenheit
  • kurzzeitige Bewusstlosigkeit (Synkope) oder Beinahe-Ohnmacht
  • Herzstolpern oder spürbar langsamer Puls
  • Konzentrationsstörungen

Vor allem wiederholter Schwindel und kurzzeitige Bewusstlosigkeiten sind Warnzeichen, die zeitnah ärztlich abgeklärt werden sollten.

Kurzzeitige Bewusstlosigkeit und neurologische Ausfälle können auch andere Ursachen haben. Zur Abgrenzung und zum Erkennen entsprechender Warnzeichen ist der Beitrag Schlaganfall hilfreich.

Diagnostische Verfahren bei Bradykardie

EKG und Rhythmusüberwachung bei Bradykardie

Im Mittelpunkt steht das Elektrokardiogramm (EKG). Damit lassen sich die Herzfrequenz und die elektrischen Abläufe im Herzen direkt darstellen. Da viele Bradykardien jedoch nur zeitweise auftreten, reicht ein Ruhe-EKG häufig nicht aus. Ergänzend kommen daher zum Einsatz:

  • das Langzeit-EKG (in der Regel über 24 bis 72 Stunden), das den Herzrhythmus im Alltag aufzeichnet,
  • bei seltenen Beschwerden ein Eventrekorder oder ein implantierbarer Ereignisrekorder (Loop-Recorder), der über Wochen bis Jahre den Rhythmus überwacht,
  • ein Belastungs-EKG zur Beurteilung des Frequenzanstiegs unter körperlicher Anstrengung,
  • in ausgewählten Fällen eine elektrophysiologische Untersuchung, bei der die elektrischen Eigenschaften des Reizleitungssystems mit Kathetern direkt am Herzen geprüft werden.

Ergänzend dienen Anamnese, körperliche Untersuchung, Blutuntersuchungen (insbesondere Schilddrüsenwerte und Elektrolyte) sowie eine Echokardiographie (Herzultraschall) der Ursachensuche. Ziel ist es, einen klaren zeitlichen Zusammenhang zwischen Beschwerden und der Rhythmusstörung herzustellen und zwischen einer harmlosen, physiologischen Bradykardie und einer behandlungsbedürftigen Form zu unterscheiden.

Bildgebung zur Ursachensuche

Die Magnetresonanztomographie (MRT) des Herzens spielt bei der Bradykardie selbst keine Rolle. Sie kann jedoch sinnvoll sein, wenn als Ursache eine zugrundeliegende Erkrankung des Herzmuskels vermutet wird, etwa eine Herzmuskelentzündung oder eine Erkrankung, die das Herzgewebe verändert. In solchen Fällen liefert die kardiale MRT detaillierte Bilder des Herzmuskels, die andere Verfahren nicht in vergleichbarer Form zeigen.

Wird eine Erkrankung des Herzmuskels als Ursache vermutet, liefert die Bildgebung entscheidende Hinweise. Die Kardio MRT stellt Entzündungen und Narben im Herzgewebe besonders genau dar, die Herz MRT zeigt zusätzlich Funktion und Durchblutung, und für die Beurteilung von Brustkorb und großen Gefäßen steht die CT Thorax zur Verfügung.

Behandlungsmöglichkeiten bei Bradykardie

Die Behandlung richtet sich nach Ursache, Schweregrad und vor allem nach den Beschwerden. Eine asymptomatische Bradykardie, insbesondere bei Sportlern oder im Schlaf, ist in aller Regel nicht behandlungsbedürftig.

Reversible Ursachen beheben. Liegt eine extrinsische Ursache vor – etwa eine medikamentös bedingte Bradykardie, eine Schilddrüsenunterfunktion oder eine Elektrolytstörung –, steht deren Behandlung im Vordergrund. Häufig lässt sich der Herzrhythmus dadurch normalisieren.

Akute Maßnahmen. Bei einer ausgeprägten, akut bedrohlichen Bradykardie können in der Klinik vorübergehend Medikamente (z. B. Atropin) oder eine passagere Stimulation über einen externen oder vorübergehend eingelegten Schrittmacher eingesetzt werden, etwa nach einem Herzinfarkt, nach Herzoperationen oder bei einer medikamentös ausgelösten Bradykardie.

Dauerhafte Schrittmacherbehandlung. Bei symptomatischen Bradykardien aufgrund einer Sinusknotenerkrankung oder eines höhergradigen AV-Blocks ist die Implantation eines dauerhaften Herzschrittmachers die Standardbehandlung. Das kleine Aggregat wird in der Regel unterhalb des Schlüsselbeins unter die Haut eingesetzt; eine oder mehrere Elektroden werden über eine Vene zum Herzen geführt und stimulieren dort den Herzmuskel, sobald die eigene Frequenz zu langsam wird. Die Wahl des Schrittmachertyps (Einkammer-, Zweikammer- oder spezielles System) richtet sich nach der zugrunde liegenden Rhythmusstörung und den individuellen Gegebenheiten.

Eine konkrete Therapieempfehlung im Einzelfall kann ausschließlich ärztlich, auf Grundlage aller individuellen Befunde, getroffen werden.

Bestehen mehrere Begleiterkrankungen oder unklare Beschwerden, kann eine umfassende Bestandsaufnahme sinnvoll sein. Einen breiten Überblick über Herz, Gefäße und Organe in einer einzigen Untersuchung bietet die Ganzkörper MRT.

Wann sollte bei Bradykardie ärztliche Hilfe gesucht werden?

Eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll bei wiederkehrendem Schwindel, ungewohnter Belastungsintoleranz, Atemnot, Herzstolpern oder einem in Ruhe auffällig langsamen Puls, der mit Beschwerden einhergeht. Auch ein neu aufgetretener, deutlich verlangsamter Puls unter einer laufenden Medikation sollte ärztlich beurteilt werden.

Ein medizinischer Notfall liegt vor bei kurzzeitiger Bewusstlosigkeit, Krampfanfall, starker Atemnot, Brustschmerz oder neurologischen Ausfällen wie Sprach-, Seh- oder Bewegungsstörungen. In solchen Fällen ist unverzüglich der Notruf (in Deutschland 112) zu verständigen.

Treten im Rahmen einer Synkope neurologische Symptome auf, ist eine rasche Abklärung des Kopfes wichtig. Als schnelles Notfallverfahren zum Ausschluss einer Hirnblutung oder eines Schlaganfalls kommt dabei die CT Kopf zum Einsatz.

Weiterführende Informationen

Bradykardie ist nur eine von vielen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die sich gegenseitig beeinflussen können. Die folgenden Beiträge vertiefen verwandte Themen: Kardio CT vs Kardio MRT vergleicht die beiden wichtigsten bildgebenden Verfahren der Herzdiagnostik, Herzinfarkt – Warnsignale ernstnehmen erklärt die Alarmzeichen eines akuten Herzereignisses, und Diabetes mellitus behandelt einen bedeutenden kardiovaskulären Risikofaktor.

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.

Quellen

Inhaltliche Grundlagen: MSD Manuals (Profi- und Patientenausgabe), Kapitel „Sick-Sinus-Syndrom“ und „Übersicht der Arrhythmien“; BÄK-Curriculum „Praxis der Herzschrittmachertherapie“ (3. Aufl., Stand 23.09.2022) als strukturierender Orientierungsrahmen; ESC-Leitlinie 2021 zu Schrittmachertherapie und kardialer Resynchronisationstherapie (über öffentliche, redaktionelle Zusammenfassungen referenziert).