Bluthochdruck (medizinisch: arterielle Hypertonie) bezeichnet einen dauerhaft zu hohen Druck in den Schlagadern. Bei jedem Herzschlag pumpt das Herz Blut in die Gefäße – der dabei in den Arterien erzeugte Druck wird mit zwei Werten in Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) angegeben: der höhere, systolische Wert entsteht beim Zusammenziehen des Herzens, der niedrigere, diastolische Wert bei dessen Entspannung.
Was bedeutet Bluthochdruck (arterielle Hypertonie)?
Nach den europäischen Leitlinien gilt der Blutdruck als nicht erhöht, wenn er in der Praxis unter 120/70 mmHg liegt. Werte zwischen 120/70 und 139/89 mmHg werden als erhöhter Blutdruck eingestuft, dauerhafte Werte ab 140/90 mmHg als Hypertonie. Da einzelne Messungen schwanken, wird die Diagnose nicht aufgrund einer einzigen Messung, sondern erst nach mehreren wiederholten oder zusätzlichen häuslichen Messungen gestellt.
Bluthochdruck ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen weltweit. Etwa zwei Drittel der Menschen über 65 Jahren sind betroffen, und wer mit 55 Jahren noch normale Werte hat, entwickelt mit rund 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit im weiteren Leben dennoch eine Hypertonie.
Da dauerhaft erhöhter Druck die Gefäßwände belastet, steht Bluthochdruck in engem Zusammenhang mit krankhaften Gefäßveränderungen. Wie sich Ablagerungen aus Kalk und Fett in den Schlagadern bilden und welche Folgen daraus entstehen, erläutert der Beitrag zur Arteriosklerose.

Werte des Blutdrucks in einer Blutdrucktabelle
| Kategorie | Systolisch | Diastolisch |
|---|---|---|
| Optimal | <120 | <80 |
| Normal | 120-129 | 80-84 |
| Hochnormal | 130-139 | 85-89 |
| Hypertonie Grad 1 | 140-159 | 90-99 |
| Hypertonie Grad 2 | 160-179 | 100-109 |
| Hypertonie Grad 3 | >180 | >110 |
Ursachen und Entstehung von Bluthochdruck
Der Blutdruck ergibt sich aus zwei Größen: der Menge Blut, die das Herz pro Zeiteinheit auswirft, und dem Widerstand, den die Blutgefäße diesem Fluss entgegensetzen. Steigt eine dieser Größen oder beides, steigt der Blutdruck.
In etwa 85 Prozent der Fälle lässt sich keine einzelne Ursache feststellen – man spricht dann von primärer Hypertonie. An ihrer Entstehung sind mehrere Faktoren beteiligt: eine erbliche Veranlagung, eine zu hohe Aufnahme von Kochsalz, Übergewicht, Bewegungsmangel, übermäßiger Alkoholkonsum, Stress sowie altersbedingt versteifte Arterien. Im Lauf der Zeit verändern sich Gefäße, Nieren und das Nervensystem so, dass der erhöhte Druck stabilisiert wird.
Bei den verbleibenden Fällen liegt eine identifizierbare Ursache vor (sekundäre Hypertonie). Häufige Auslöser sind die obstruktive Schlafapnoe, Nierenerkrankungen, Verengungen der Nierenarterien sowie hormonelle Störungen (z. B. der Nebennieren oder der Schilddrüse). Auch bestimmte Medikamente – etwa nichtsteroidale Schmerzmittel, östrogenhaltige Verhütungsmittel oder abschwellende Nasenmittel – sowie Substanzen wie Kokain oder hoher Lakritzkonsum können den Blutdruck erhöhen.
Anhaltend zu hoher Blutdruck schädigt vor allem das Herz-Kreislauf-System, das Gehirn und die Nieren. Die Folgen reichen von einer Verkalkung und Versteifung der Arterien über eine Vergrößerung des Herzmuskels (mit nachfolgender Herzschwäche) bis zu einem deutlich erhöhten Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und chronische Nierenerkrankung.
Zu den schwerwiegendsten Folgeerkrankungen eines unbehandelten Bluthochdrucks zählen Ereignisse am Gehirn und am Herzen. Vertiefende Informationen zu Entstehung, Warnsignalen und Diagnostik finden Sie in den Beiträgen Schlaganfall und Herzinfarkt.

Symptome und Warnzeichen bei Bluthochdruck
Bluthochdruck verursacht in der Regel keine spezifischen Beschwerden, weshalb er oft über lange Zeit unbemerkt bleibt und nicht selten zufällig entdeckt wird. Aus diesem Grund wird er auch als „stiller Killer“ bezeichnet.
Wenn Beschwerden auftreten, sind sie meist Folge eines bereits sehr hohen Blutdrucks oder bestehender Organschäden. Mögliche Hinweise sind:
Bei sehr hohen Werten (typischerweise ab etwa 180/120 mmHg) verbunden mit Symptomen wie starkem Kopfschmerz, Sehstörungen, Brustschmerz, Atemnot, Verwirrtheit oder neurologischen Ausfällen kann ein hypertensiver Notfall vorliegen – eine sofortige Behandlung ist dann erforderlich.
Weil Bluthochdruck oft erst durch Folgeschäden auffällt, lohnt es sich, die Alarmzeichen eines akuten Herzereignisses zu kennen. Worauf Sie achten sollten und warum Symptome individuell sehr unterschiedlich ausfallen, beschreibt der Beitrag Herzinfarkt – Warnsignale ernstnehmen.
Diagnostische Verfahren bei Bluthochdruck
So wird der Blutdruck korrekt gemessen
Die Diagnose stützt sich in erster Linie auf die Blutdruckmessung. Damit der Wert aussagekräftig ist, sollte die Messung unter standardisierten Bedingungen erfolgen: nach mindestens fünf Minuten ruhigem Sitzen, mit aufgestütztem Rücken und Füßen auf dem Boden, am freigemachten Oberarm in Herzhöhe und mit passender Manschettengröße. Innerhalb von mindestens 30 Minuten vor der Messung sollten weder Koffein noch Tabak konsumiert oder körperliche Anstrengungen ausgeführt worden sein.
Zur Bestätigung der Diagnose werden in der Regel mehrere Messungen an verschiedenen Tagen herangezogen. Häusliche Blutdruckmessungen mit einem geeichten Oberarmgerät oder eine 24-Stunden-Langzeitblutdruckmessung helfen, zwei Sonderformen zu erkennen: die „Weißkittel-Hypertonie“ (hoher Wert nur beim Arztbesuch) und die „maskierte Hypertonie“ (Praxiswerte unauffällig, häusliche Werte aber erhöht). Manschettenlose Geräte wie viele Smartwatches gelten derzeit nicht als zuverlässig genug für die Diagnosestellung.
Weiterführende Untersuchungen zur Ursachenabklärung
Nach Bestätigung der Diagnose folgen weitere Untersuchungen, um mögliche Ursachen einer sekundären Hypertonie und bereits bestehende Organschäden zu erfassen. Dazu gehören üblicherweise:
Bestätigt sich ein hypertoniebedingtes Risiko, kann eine bildgebende Diagnostik Herz und Gefäße genauer beurteilen. Welches Verfahren wann sinnvoll ist, vergleicht der Artikel Kardio CT vs Kardio MRT; die strahlungsfreie Untersuchung des Herzmuskels stellt die Kardio MRT vor. Für die Beurteilung von Brustkorb, Lunge und großen Gefäßen wie der Aorta eignet sich zudem die CT Thorax.
Behandlungsmöglichkeiten bei Bluthochdruck
Ein dauerhafter Bluthochdruck lässt sich bei primärer Form nicht heilen, mit einer konsequenten Behandlung jedoch sehr gut kontrollieren. Manche sekundäre Formen können durch Behandlung der Ursache korrigiert werden. Ziel der Therapie ist es, das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche und Nierenversagen zu senken. Die europäischen Leitlinien empfehlen für die meisten Patienten einen Zielwert unter 130/80 mmHg bei guter Verträglichkeit; bei Erwachsenen unter medikamentöser Behandlung wird häufig ein systolischer Bereich von 120 bis 129 mmHg angestrebt.
Lebensstilmaßnahmen als Basis der Therapie
Lebensstilmaßnahmen sind die Basis jeder Behandlung und für alle Personen mit erhöhten Werten oder einer Hypertonie sinnvoll. Empfohlen werden insbesondere:
Blutdrucksenkende Medikamente
Reichen Lebensstilmaßnahmen nicht aus oder ist der Blutdruck deutlich erhöht, kommen blutdrucksenkende Medikamente zum Einsatz. Als Erstmittel werden in der Regel ACE-Hemmer oder Angiotensin-II-Rezeptorblocker, Kalziumkanalblocker oder Thiazid-(ähnliche) Diuretika eingesetzt – häufig in einer festen Kombination zweier Wirkstoffe in einer Tablette, was die Einnahmetreue verbessert. Bei einer therapieresistenten Hypertonie, die mit drei geeigneten Wirkstoffen nicht ausreichend kontrolliert ist, wird die Behandlung um weitere Wirkstoffe ergänzt; in ausgewählten Fällen kommen interventionelle Verfahren wie eine Verödung der zu den Nieren ziehenden sympathischen Nerven (renale Denervation) in Betracht.
Eine konkrete Therapieempfehlung im Einzelfall kann ausschließlich ärztlich, auf Grundlage aller individuellen Befunde, getroffen werden.
Um den Erfolg einer blutdrucksenkenden Therapie und mögliche Auswirkungen des erhöhten Drucks auf den Herzmuskel zu überprüfen, liefert die Herz MRT detaillierte Einblicke in Struktur, Durchblutung und Funktion des Herzens – ganz ohne Röntgenstrahlung.

Wann sollte bei Bluthochdruck ärztliche Hilfe gesucht werden?
Da Bluthochdruck meist beschwerdefrei verläuft, ist eine regelmäßige Blutdruckkontrolle der wichtigste Zugang zur Erkennung. Eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn bei mehreren Messungen Werte ab 140/90 mmHg festgestellt werden, wenn in der Familie früh aufgetretene Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekannt sind oder wenn Risikofaktoren wie Übergewicht, Diabetes mellitus, eine Nierenerkrankung oder Schlafapnoe vorliegen.
Ein medizinischer Notfall liegt vor bei sehr hohen Blutdruckwerten in Verbindung mit Beschwerden wie starkem Kopfschmerz, Sehstörungen, Brustschmerz, Atemnot, plötzlichen neurologischen Ausfällen (Sprach-, Seh- oder Bewegungsstörungen, einseitige Schwäche), Verwirrtheit oder Krampfanfällen. In solchen Fällen ist unverzüglich der Notruf (in Deutschland 112) zu verständigen.
Bei mehreren kardiovaskulären Risikofaktoren kann eine umfassende Standortbestimmung sinnvoll sein. Einen breiten Überblick über Herz, Gefäße und Organe in einer einzigen Untersuchung bietet die Ganzkörper MRT, während sich bei Verdacht auf eine akute Hirnbeteiligung – etwa im Rahmen eines hypertensiven Notfalls – die CT Kopf als schnelles Notfallverfahren anbietet.
Weiterführende Informationen
Bluthochdruck tritt selten allein auf und teilt viele Risikofaktoren mit anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die folgenden Beiträge vertiefen verwandte Themen: Herzinfarkt bei Frauen beleuchtet geschlechtsspezifische Warnzeichen, Vorhofflimmern erläutert eine häufige, durch Bluthochdruck begünstigte Herzrhythmusstörung, und Diabetes mellitus behandelt einen zentralen Begleit- und Risikofaktor der arteriellen Hypertonie.
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.
