Was ist das Broken-Heart-Syndrom (Takotsubo-Syndrom)?
Das Broken-Heart-Syndrom – im Volksmund „Syndrom des gebrochenen Herzens“ – ist eine plötzlich auftretende, in der Regel vorübergehende Funktionsstörung des Herzmuskels. Vor allem die linke Herzkammer pumpt dabei akut nicht mehr richtig. In der Fachsprache wird die Erkrankung als Takotsubo-Syndrom oder Stress-Kardiomyopathie bezeichnet.
Der Name geht auf eine Beobachtung zurück: Während der Herzaktion bewegt sich die Basis der linken Herzkammer noch kräftig, während sich die Herzspitze nicht mehr richtig zusammenzieht und sich ballonartig vorwölbt. Diese typische Form erinnert an eine traditionelle japanische Tintenfischfalle namens „Takotsubo“; die Erkrankung wurde 1990 erstmals in Japan beschrieben.
Obwohl der Begriff harmlos klingt, handelt es sich um eine ernstzunehmende akute Herzschwäche. Charakteristisch ist, dass die Beschwerden denen eines Herzinfarkts sehr ähneln – jedoch liegt kein Verschluss eines Herzkranzgefäßes durch ein Blutgerinnsel vor. Von 100 Personen, die mit Verdacht auf einen Herzinfarkt in eine Klinik kommen, haben etwa ein bis drei ein Takotsubo-Syndrom. Rund 80 bis 90 Prozent der Betroffenen sind Frauen, überwiegend nach den Wechseljahren; das mittlere Erkrankungsalter liegt etwa zwischen 65 und 75 Jahren. Bei jüngeren Menschen und Männern ist die Erkrankung seltener.
Da das Syndrom eine plötzliche, schwere Funktionsstörung des Herzens darstellt, weist es klinisch Ähnlichkeiten mit einer chronischen oder akuten Herzinsuffizienz auf. Da es sich im Kern um eine stressinduzierte Form der Herzmuskelerkrankung handelt, wird es medizinisch auch der Gruppe der Kardiomyopathie zugeordnet.
Ursachen und Entstehung des Broken-Heart-Syndroms
Die genauen Mechanismen sind bis heute nicht vollständig geklärt. Nach derzeitigem Kenntnisstand spielt jedoch eine plötzliche, starke Ausschüttung von Stresshormonen – sogenannten Katecholaminen wie Adrenalin – eine zentrale Rolle.
In den meisten Fällen geht dem Ereignis ein auslösender Reiz voraus, der emotionaler oder körperlicher Natur sein kann; bei etwa einem Drittel der Betroffenen lässt sich allerdings kein eindeutiger Auslöser feststellen.
Zu den emotionalen Auslösern zählen unter anderem Trauer (etwa der Verlust eines nahestehenden Menschen), zwischenmenschliche Konflikte, Angst, Wut oder finanzielle Sorgen. Auch ausgeprägt freudige Ereignisse können das Syndrom auslösen – in diesem Fall wird gelegentlich vom „Happy-Heart-Syndrom“ gesprochen.

Zu den körperlichen Auslösern gehören beispielsweise schwere körperliche Anstrengung, akute Erkrankungen, Operationen, Atemnot oder neurologische Ereignisse. Körperliche Auslöser sind insgesamt häufiger als emotionale; bei Männern überwiegen sie, bei Frauen sind emotionale Auslöser häufiger.
Vereinfacht erklärt führt die plötzliche Stresshormonflut zu einer vorübergehenden Funktionsstörung des Herzmuskels. Diskutiert werden dabei vor allem eine Funktionsstörung der kleinsten Herzkranzgefäße (Mikrozirkulation) sowie eine direkte Wirkung der Stresshormone auf die Herzmuskelzellen. Weshalb überwiegend Frauen nach den Wechseljahren betroffen sind, ist nicht abschließend geklärt; ein Einfluss hormoneller Veränderungen wird vermutet, ist bislang aber nicht eindeutig belegt.
Die Entstehung des Syndroms ist eng mit psychischen Belastungssituationen verknüpft. Um das eigene Herz präventiv vor den schädlichen Folgen von chronischem Stress zu bewahren, empfiehlt sich ein Blick auf unseren Ratgeber Psyche und Stress: So schützen Sie Ihr Herz!. Zudem spielen bei weiblichen Betroffenen oft hormonelle Veränderungen eine Rolle, weshalb die Aufklärung über das Thema Herz Wechseljahre von besonderer Bedeutung ist.
Typische Symptome und Warnzeichen beim Takotsubo-Syndrom
Die häufigsten Beschwerden sind plötzlich auftretende Brustschmerzen, Atemnot sowie Herzklopfen; auch eine kurzzeitige Bewusstlosigkeit (Ohnmacht) kann auftreten. Da diese Symptome denen eines Herzinfarkts gleichen, ist eine Unterscheidung allein anhand der Beschwerden zunächst nicht möglich.
Wird das Syndrom durch eine schwere körperliche Erkrankung ausgelöst, kann das Beschwerdebild von der zugrunde liegenden Erkrankung überlagert sein. In manchen Fällen wird das Syndrom auch zufällig entdeckt, etwa durch neu auftretende Auffälligkeiten im EKG oder durch veränderte Blutwerte.

Ein Teil der Betroffenen zeigt Beschwerden, die durch Komplikationen verursacht werden – etwa eine ausgeprägte Herzschwäche, Wasseransammlung in der Lunge (Lungenödem) oder einen Kreislaufschock. Damit ist das Broken-Heart-Syndrom in der akuten Phase eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung.
Die klinische Symptomatik des Takotsubo-Syndroms ist von einem akuten Infarkt kaum zu unterscheiden. Daher ist es lebenswichtig, die klassischen Herzinfarkt – Warnsignale ernstnehmen zu können, um im Ernstfall sofort die richtigen Schritte einzuleiten. Begleitend treten häufig Symptome wie akute Atemnot oder heftiges Herzrasen auf, die ebenfalls eine sofortige medizinische Abklärung erfordern.
Diagnostische Verfahren beim Broken-Heart-Syndrom
Da die Beschwerden einem Herzinfarkt gleichen, läuft die Abklärung zunächst wie bei einem Infarktverdacht ab. Ziel ist es, einen Herzinfarkt sicher auszuschließen und das Takotsubo-Syndrom nachzuweisen.
EKG (Elektrokardiogramm) und Blutwerte beim Takotsubo-Syndrom
Im EKG zeigen sich häufig Veränderungen, die ebenfalls einem Herzinfarkt ähneln können. Bei den Blutwerten ist ein Unterschied aufschlussreich: Die Herzenzyme (Troponin und Creatinkinase) sind beim Takotsubo-Syndrom im Vergleich zum Herzinfarkt nur gering erhöht, während die sogenannten natriuretischen Peptide – Botenstoffe, die bei einer akuten Herzschwäche ansteigen – deutlich, oft zwei- bis vierfach stärker erhöht sind.
Für die genaue Differenzialdiagnose im Brustbereich kann eine detaillierte Bildgebung mittels CT Thorax oder einem hochauflösenden MRT Thorax wichtige strukturelle Aussagen über die Lunge und die umliegenden Gefäße liefern.
Herzkatheteruntersuchung zur Abklärung der linken Herzkammer
Sie gilt als wichtigste Untersuchung zur Abklärung. Sie zeigt, dass die Herzkranzgefäße nicht durch ein Blutgerinnsel verschlossen sind, und macht zugleich die typische Wandbewegungsstörung der linken Herzkammer sichtbar – etwa die charakteristische ballonartige Vorwölbung der Herzspitze.
Echokardiographie (Herzultraschall) zur Pumpfunktionsprüfung
Mit ihr lassen sich die Pumpfunktion und die Wandbewegungsstörungen der Herzkammer beurteilen und überwachen. Wegen der häufigen Komplikationen werden Betroffene in der Akutphase meist intensivmedizinisch überwacht.
Zur sicheren Abgrenzung von einem Herzinfarkt und zur Beurteilung des Herzmuskels selbst ist eine Kardio MRT das diagnostische Mittel der Wahl, da sie Gewebeveränderungen präzise darstellen kann. Ergänzend kann ein strahlungsarmes Herz CT durchgeführt werden, um die Herzkranzgefäße ohne Katheter zu untersuchen.
Magnetresonanztomographie (MRT) des Herzens
Die Herz-MRT spielt eine wichtige Rolle bei der Abgrenzung gegenüber anderen Erkrankungen mit ähnlichem Beschwerdebild, insbesondere gegenüber einem Herzinfarkt und einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis). Sie kann die Bereiche mit gestörter Wandbewegung darstellen und zeigt beim Takotsubo-Syndrom typischerweise eine vorübergehende Flüssigkeitseinlagerung im Herzmuskelgewebe (Ödem), aber – anders als beim Herzinfarkt – keine bleibende Vernarbung der Herzwand. Das fachärztliche Consensusdokument der europäischen Kardiologie empfiehlt die Herz-MRT ausdrücklich, um eine Herzmuskelentzündung auszuschließen und die Diagnose abzusichern.
Ergänzend kann eine Computertomographie (CT) der Herzgefäße zum Einsatz kommen; sie zählt jedoch nicht zu den Standardverfahren der Takotsubo-Diagnostik. Eine endgültige Sicherung der Diagnose ist häufig erst nach Wochen bis Monaten möglich, wenn sich die Pumpfunktion der linken Herzkammer wieder normalisiert hat.
Da auch akute neurologische Ereignisse wie ein Schlaganfall als körperliche Auslöser für das Syndrom infrage kommen, wird bei entsprechendem Verdacht gelegentlich ein MRT Kopf veranlasst, um das Gehirn und seine Gefäße präzise zu untersuchen.
Behandlungsmöglichkeiten beim Broken-Heart-Syndrom
Es gibt bislang keine durch große Studien gesicherte, spezifische medikamentöse Therapie des Broken-Heart-Syndroms. Die Behandlung erfolgt daher unterstützend und richtet sich nach den Beschwerden – vergleichbar mit der Behandlung einer akuten Herzschwäche. Sie wird stets individuell festgelegt.
In der Akutphase werden in der Regel entwässernde Medikamente eingesetzt. Bei schweren Verläufen kann eine Unterstützung der Atmung notwendig werden; bei einem Kreislaufschock kommen mechanische Herzunterstützungssysteme zum Einsatz. Schwere Herzrhythmusstörungen werden medikamentös oder mit einem Elektroschock behandelt. Wegen der häufigen Komplikationen ist in der Akutphase meist eine intensivmedizinische Überwachung erforderlich.
Die Pumpfunktion des Herzens normalisiert sich bei den meisten Betroffenen innerhalb weniger Tage bis Wochen wieder; selten dauert die Erholung länger. In dieser Phase besteht unter anderem das Risiko, dass sich in der linken Herzkammer Blutgerinnsel bilden.
Auch nach überstandener Akutphase bleibt die Erkrankung relevant: Bei etwa vier bis zehn Prozent der Betroffenen kommt es im Lauf der Jahre zu einem erneuten Ereignis (Rückfall). Medikamente, die ein solches Rezidiv zuverlässig verhindern, sind bislang nicht bekannt. Als sinnvoll gilt, Stress nach Möglichkeit zu reduzieren.
Diese Übersicht dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Therapieempfehlung im Einzelfall.
Wann sollte bei einem Broken-Heart-Syndrom ärztliche Hilfe gesucht werden?
Da die Beschwerden des Broken-Heart-Syndroms nicht von denen eines Herzinfarkts zu unterscheiden sind, gilt: Bei plötzlich auftretenden, anhaltenden Brustschmerzen, bei Atemnot, ausgeprägtem Herzklopfen oder Ohnmacht sollte unverzüglich der Rettungsdienst über die Notrufnummer 112 verständigt werden.
Eine sichere Unterscheidung zwischen Herzinfarkt und Takotsubo-Syndrom ist nur durch eine rasche ärztliche Untersuchung möglich. Da die Erkrankung in der akuten Phase lebensbedrohlich verlaufen kann, ist eine sofortige medizinische Abklärung in jedem Fall entscheidend.
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch Ärztin oder Arzt.
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