Was bedeutet Bewegungsmangel?
Unter Bewegungsmangel versteht man dauerhaft zu geringe körperliche Aktivität gemessen an etablierten Bewegungsempfehlungen. Bewegungsmangel ist im engeren Sinne keine eigenständige Erkrankung, sondern ein bedeutender Lebensstil- und Risikofaktor für eine Vielzahl chronischer Erkrankungen.
Zur körperlichen Aktivität zählen sämtliche Bewegungen, bei denen durch Muskelarbeit ein erhöhter Energieumsatz entsteht – also nicht nur Sport, sondern auch Alltagsbewegung wie zügiges Gehen, Treppensteigen, Radfahren oder Haus- und Gartenarbeit. Als Richtwert empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Erwachsenen pro Woche mindestens 150 bis 300 Minuten ausdauerorientierte Bewegung mittlerer Intensität oder 75 bis 150 Minuten mit höherer Intensität, ergänzt durch muskelkräftigende Aktivitäten an mindestens zwei Tagen pro Woche. Wer diese Mindestempfehlungen dauerhaft deutlich unterschreitet, gilt als bewegungsmangelnd.
Als zusätzlicher, eigenständiger Risikofaktor gilt langes, ununterbrochenes Sitzen.
Für die Einordnung als Herz-Kreislauf-Risikofaktor sind Herz Kreislauf Erkrankungen, Prävention für ein gesundes Herz und Arteriosklerose besonders relevant, weil Bewegungsmangel Gefäße, Blutdruck und metabolische Risiken beeinflussen kann.
Ursachen und gesundheitliche Folgen von Bewegungsmangel
Die Gründe für Bewegungsmangel sind vielfältig und meist in den Lebensumständen verankert. Dazu zählen vorwiegend sitzende Berufstätigkeiten, motorisierte Mobilität, eine bewegungsarme Freizeitgestaltung mit hoher Bildschirmnutzung, fehlende Zeit, fehlende Motivation, ungünstige Umgebung (z. B. wenig sichere oder zugängliche Bewegungsangebote) sowie körperliche Einschränkungen, Schmerzen oder bestehende Erkrankungen.
Die Folgen wirken sich auf nahezu alle Organsysteme aus. Im Herz-Kreislauf-System steigt das Risiko für Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche und Durchblutungsstörungen der Beine. Bewegungsmangel begünstigt zudem das Fortschreiten der Arteriosklerose („Arterienverkalkung”) in allen Gefäßregionen.
Bei Herz-Kreislauf-Folgen sind insbesondere Bluthochdruck, Angina Pectoris und Herzinsuffizienz naheliegende Ergänzungen, weil Bewegungsmangel Belastbarkeit, Gefäßgesundheit und Herzfunktion mitbeeinflussen kann.
Im Stoffwechsel verschlechtert sich die Empfindlichkeit der Körperzellen gegenüber Insulin, was die Entstehung eines Typ-2-Diabetes begünstigt. Ungünstige Veränderungen der Blutfettwerte und eine Zunahme insbesondere des inneren Bauchfetts (viszerales Fett) sind häufig.
Für den Zusammenhang zwischen Stoffwechsel und Herzgesundheit passt Diabetes und Herz, da Typ-2-Diabetes häufig gemeinsam mit Bewegungsmangel, Übergewicht und weiteren kardiovaskulären Risikofaktoren betrachtet wird.
Am Muskel-Skelett-System kommt es zu Muskelabbau, Verlust an Knochendichte (mit erhöhtem Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche), nachlassender Gelenkbeweglichkeit und einer steigenden Wahrscheinlichkeit chronischer Rückenschmerzen. Im höheren Lebensalter steigt zusätzlich das Sturzrisiko.
Wenn Bewegungsmangel mit Rücken- oder Gelenkbeschwerden einhergeht, sind Rückenschmerzen, Rückenschmerzen unterer Rücken und Zu viel Vitamin D – geht das? thematisch passend, weil sie Beschwerden, Knochen- und Muskelfunktion sowie mögliche Begleitfaktoren einordnen.
Auch die psychische Gesundheit ist betroffen: Bewegungsmangel ist mit einem erhöhten Risiko für depressive Verstimmungen, Angstzustände und Schlafstörungen verbunden. Regelmäßige körperliche Aktivität wirkt umgekehrt nachweislich präventiv und kann den kognitiven Abbau im Alter verzögern. Darüber hinaus ist das Risiko für bestimmte Krebsarten (etwa Dickdarm-, Brust- und Gebärmutterkörperkrebs) bei dauerhaft niedriger Aktivität erhöht.

Typische Warnzeichen bei Bewegungsmangel
Bewegungsmangel selbst verursacht keine spezifischen Symptome. Anzeichen, die auf eine zu geringe körperliche Aktivität und ihre Folgen hindeuten können, sind:
Diese Anzeichen sind unspezifisch und können auch andere Ursachen haben. Sie sollten dennoch zum Anlass genommen werden, das eigene Aktivitätsniveau zu überprüfen.
Bei anhaltenden Rückenbeschwerden oder nachlassender Mobilität können bildgebende Untersuchungen je nach ärztlicher Fragestellung relevant werden. Dazu passen MRT Wirbelsäule, MRT Lendenwirbelsäule und CT Wirbelsäule.
Erfassung und ärztliche Beurteilung bei Bewegungsmangel
Eine eigenständige medizinische Diagnostik des Bewegungsmangels existiert nicht. Erfasst wird er im Rahmen der ärztlichen Anamnese, häufig im Zusammenhang mit allgemeinen Vorsorge- oder Gesundheitsuntersuchungen. Dabei werden das übliche Bewegungsverhalten, der Anteil sitzender Tätigkeiten sowie mögliche Risikofaktoren erfragt und körperliche Befunde wie Blutdruck, Körpergewicht, Taillenumfang sowie Laborwerte (z. B. Blutzucker, Blutfette) beurteilt.
Vor dem Einstieg in regelmäßige körperliche Aktivität wird – insbesondere für zuvor Inaktive sowie für Personen ab etwa dem 35. Lebensjahr – eine ärztliche Untersuchung empfohlen. Ab dem 45. Lebensjahr bei Männern und dem 55. Lebensjahr bei Frauen empfiehlt sich vor Trainingsbeginn zusätzlich ein Belastungs-EKG, sofern Risikofaktoren vorliegen.
Bei kardiovaskulären Risikofaktoren kann die Bildgebung im Einzelfall zur weiteren Einordnung beitragen. Relevante Untersuchungsseiten sind Herz CT und, bei breiterer Vorsorge- oder Verlaufsperspektive, Ganzkörper MRT.
Bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) spielen bei der Beurteilung des Bewegungsmangels selbst keine Rolle. Sie können jedoch bei der Abklärung von Folge- oder Begleiterkrankungen relevant sein, etwa bei chronischen Rückenschmerzen, Gelenkbeschwerden oder bestimmten Herz-Kreislauf-Fragestellungen.
Für Beschwerden an Hüfte, Knie oder Extremitäten sind je nach Symptomatik MRT Hüfte, MRT Knie – Das gibt es zu wissen oder CT Extremitäten (Arme und Beine) medizinisch näherliegend als allgemeine Bildgebung.
Behandlungsmöglichkeiten bei Bewegungsmangel: Wiedereinstieg in einen aktiveren Lebensstil
Im Mittelpunkt steht eine schrittweise Steigerung der Alltagsbewegung und – sobald möglich – ein strukturiertes Bewegungsprogramm. Schon eine moderate Aktivitätssteigerung wirkt sich nachweislich günstig aus, insbesondere bei zuvor weitgehend inaktiven Menschen. Studien zeigen, dass die Erfüllung der genannten Bewegungsempfehlungen das Risiko, frühzeitig zu versterben, um etwa 30 Prozent senkt.
Empfehlenswert ist eine Kombination aus:
Die Aktivitäten lassen sich gut über die Woche verteilen, und auch Alltagsbewegung wie zügiges Gehen, Treppensteigen oder Gartenarbeit zählt mit. Für den Einstieg in qualitätsgesicherte Bewegungsangebote hat die Bundesärztekammer gemeinsam mit dem Deutschen Olympischen Sportbund und der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention das Rezept für Bewegung sowie das Qualitätssiegel SPORT PRO GESUNDHEIT entwickelt.
Bei bereits bestehenden Erkrankungen sollte ein individueller Trainingsplan – nach ärztlicher Beratung und ggf. unter sportmedizinischer Begleitung – erstellt werden. Eine konkrete Therapieempfehlung im Einzelfall kann ausschließlich ärztlich, auf Grundlage aller individuellen Befunde, getroffen werden.
Wann sollte bei Bewegungsmangel ärztliche Hilfe gesucht werden?
Eine ärztliche Beratung ist sinnvoll vor dem Einstieg in regelmäßige körperliche Aktivität nach längerer Inaktivität, ab dem mittleren Lebensalter sowie bei bestehenden Vorerkrankungen oder Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus, erhöhten Blutfettwerten oder familiärer Vorbelastung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Auch eine zunehmende körperliche Schwäche, ungewohnte Atemnot bei Belastung, Brustenge unter Anstrengung oder häufige Stürze sollten ärztlich abgeklärt werden.
Treten plötzliche, starke Beschwerden wie Brustschmerz, akute Atemnot, plötzliche neurologische Ausfälle oder eine kurzzeitige Bewusstlosigkeit auf, ist unverzüglich der Notruf (in Deutschland 112) zu verständigen.
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.
Weiterführende Informationen
Weitere passende Inhalte zur Einordnung von Bewegungsmangel, Folgeerkrankungen und Diagnostik sind Herz Kreislauf Erkrankungen, Prävention für ein gesundes Herz, Diabetes und Herz, Rückenschmerzen unterer Rücken, MRT Wirbelsäule, MRT Hüfte, CT Wirbelsäule und CT Abdomen.
