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Angina Pectoris

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Was bedeutet Angina pectoris?

Der Begriff Angina pectoris stammt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich übersetzt „Brustenge”. Gemeint ist damit ein anfallartig auftretendes Druck-, Enge- oder Schmerzgefühl im Brustkorb, das entsteht, wenn der Herzmuskel vorübergehend nicht ausreichend mit sauerstoffreichem Blut versorgt wird. Anders als beim Herzinfarkt kommt es dabei jedoch noch nicht zu einem dauerhaften Untergang von Herzmuskelgewebe – die Mangelversorgung ist vorübergehend.

Angina pectoris ist keine eigenständige Erkrankung, sondern das Leitsymptom der koronaren Herzkrankheit (KHK). Sie weist darauf hin, dass die Herzkranzgefäße – die Arterien, die den Herzmuskel mit Blut versorgen – verengt sind und ihrer Aufgabe nicht mehr vollständig nachkommen können.

Eine Einordnung der Angina pectoris gelingt oft besser im Zusammenhang mit anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ergänzend bieten die Beiträge Die 6 häufigsten Herzkrankheiten und Kardiologie A-Z einen breiteren Überblick über häufige Herzerkrankungen und ihre typischen Warnzeichen.

Ursachen und Entstehung von Angina pectoris

Die häufigste Ursache der Angina pectoris ist die Arteriosklerose der Herzkranzgefäße. Dabei lagern sich über Jahre hinweg Fette, Cholesterin und Kalk in den Gefäßwänden ab und bilden sogenannte Plaques. Diese Ablagerungen verengen das Gefäßinnere und behindern den Blutfluss.

Vereinfacht lässt sich die Entstehung so beschreiben: Solange das Herz in Ruhe arbeitet, reicht die verminderte Blutzufuhr meist noch aus. Steigt der Sauerstoffbedarf des Herzmuskels jedoch – etwa bei körperlicher Anstrengung, Aufregung, nach üppigen Mahlzeiten oder bei Kälte –, kann das verengte Gefäß die nötige Menge sauerstoffreichen Blutes nicht mehr liefern. Es entsteht ein Ungleichgewicht zwischen Sauerstoffbedarf und Sauerstoffangebot. Dieses Missverhältnis macht sich durch die typischen Brustbeschwerden bemerkbar.

Neben der Arteriosklerose können auch krampfartige Verengungen der Herzkranzgefäße (sogenannte Koronarspasmen) eine Angina pectoris auslösen. Auch andere Erkrankungen, etwa ein hoher Blutdruck, bestimmte Herzklappenerkrankungen oder eine Verdickung des Herzmuskels, können die Belastung des Herzens erhöhen und damit Beschwerden verursachen. Ein verminderter Sauerstoffgehalt des Blutes – beispielsweise bei einer ausgeprägten Blutarmut – kann die Symptome zusätzlich begünstigen.

Für die Gefäßgesundheit sind vor allem Risikofaktoren wie Ablagerungen in den Arterien, Diabetes und Bluthochdruck relevant. Vertiefende Informationen finden Sie in den Artikeln Arteriosklerose und Diabetes und Herz.

Angina und Herz

Stabile und instabile Angina pectoris unterscheiden

Mediziner unterscheiden grundsätzlich zwei Formen:

Die stabile Angina pectoris tritt unter vorhersehbaren Bedingungen auf, etwa bei einer bestimmten körperlichen Belastung, und klingt in Ruhe oder nach Einnahme eines Notfallmedikaments (Nitroglycerin) innerhalb weniger Minuten wieder ab. Der Verlauf ist über längere Zeiträume relativ konstant.

Die instabile Angina pectoris liegt vor, wenn sich das Beschwerdebild verändert: Die Anfälle treten häufiger, stärker oder schon bei geringer Belastung auf, sie dauern länger oder treten erstmals in Ruhe auf. Diese Form ist ein medizinischer Notfall, da sie in einen Herzinfarkt übergehen kann.

Wenn Brustenge plötzlich neu auftritt, stärker wird oder in Ruhe besteht, muss auch an ein akutes Koronarsyndrom gedacht werden. Der Beitrag Akute Koronarsyndrom erklärt, warum diese Situation zeitkritisch abgeklärt werden sollte.

Angina und Blutgefäße

Symptome und Warnzeichen bei Angina pectoris

Die Beschwerden einer Angina pectoris werden sehr unterschiedlich wahrgenommen. Manche Betroffene beschreiben lediglich ein vages Druckgefühl, andere ein heftiges, einschnürendes oder brennendes Empfinden hinter dem Brustbein. Charakteristisch sind:

Schmerzen oder ein Engegefühl hinter dem Brustbein, häufig mit Ausstrahlung in die linke Schulter, den linken Arm bis in die Finger, in den Hals, Unterkiefer, die Zähne, den Rücken oder den Oberbauch. Gelegentlich ziehen die Beschwerden auch in den rechten Arm. Oberhalb der Ohren oder unterhalb des Bauchnabels treten sie nicht auf.

Ein typischer Anfall dauert meist nur wenige Minuten und klingt in Ruhe wieder ab. Sehr kurze, flüchtige Empfindungen von wenigen Sekunden sind in der Regel keine Angina pectoris.

Begleitend können Atemnot, Schweißausbrüche, Übelkeit, Angstgefühle oder Schwächegefühl auftreten. Bei Frauen, älteren Menschen und Diabetikern äußert sich eine Angina pectoris häufiger atypisch – etwa durch Beschwerden im Oberbauch, Übelkeit, Druckgefühl im Rücken oder reine Atemnot. Solche untypischen Symptome werden mitunter mit Verdauungsbeschwerden verwechselt.

Diagnostische Verfahren bei Angina pectoris

Die Diagnose stützt sich auf das Beschwerdebild, die Krankengeschichte und apparative Untersuchungen. Da Angina pectoris mit anderen Ursachen für Brustschmerzen verwechselt werden kann (etwa Sodbrennen, Speiseröhrenkrämpfe, Erkrankungen des Brustkorbs oder Angststörungen), ist eine sorgfältige Abklärung wichtig.

Elektrokardiogramm (EKG)

Das EKG zeichnet die elektrische Aktivität des Herzens auf und gehört zur Basisuntersuchung. Während eines akuten Anfalls können typische Veränderungen sichtbar werden. Zwischen den Anfällen ist das Ruhe-EKG bei einem erheblichen Anteil der Betroffenen jedoch unauffällig, sodass ein normaler Befund eine KHK nicht ausschließt.

Belastungsuntersuchungen

Ergänzend kommen Belastungstests zum Einsatz, bei denen das Herz gezielt unter Anstrengung untersucht wird – körperlich (etwa auf einem Fahrradergometer) oder medikamentös ausgelöst. Sie helfen, die Diagnose zu sichern, den Schweregrad einzuschätzen und das individuelle Belastungsmaß festzulegen.

Bildgebende Verfahren und die Rolle der MRT

Wenn das Ruhe-EKG verändert ist oder weiterführende Informationen benötigt werden, kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz. Dazu gehören die Stress-Echokardiographie (Ultraschall des Herzens unter Belastung), nuklearmedizinische Verfahren wie SPECT und PET, die kardiale Computertomographie (CT) sowie die kardiale Magnetresonanztomographie (MRT).

Die kardiale MRT, auch Herz-MRT genannt, hat in der Diagnostik der Angina pectoris einen besonderen Stellenwert. Sie kommt ohne Röntgenstrahlung aus und liefert detaillierte Bilder von Herzmuskel, Herzkammern und großen Gefäßen. Eingesetzt wird sie unter anderem zur:

Beurteilung der Herzstruktur und der Pumpfunktion, Darstellung der Durchblutung des Herzmuskels (sogenannte Stress-Perfusions-MRT, häufig in Kombination mit einem medikamentös ausgelösten Belastungsreiz), Erkennung von Wandbewegungsstörungen unter Belastung sowie zur Unterscheidung zwischen noch vitalem und bereits geschädigtem Herzmuskelgewebe (Vitalitätsdiagnostik).

Die Stress-Perfusions-MRT eignet sich insbesondere zur Diagnose und Risikoeinschätzung bei Personen mit bekannter oder vermuteter koronarer Herzkrankheit. Sie ermöglicht eine quantitative Beurteilung der Durchblutung des Herzmuskels und kann helfen, festzustellen, ob eine Verengung der Herzkranzgefäße tatsächlich Auswirkungen auf die Sauerstoffversorgung hat.

Bei Verdacht auf Durchblutungsstörungen oder strukturelle Herzerkrankungen kann die Herzbildgebung gezielt erweitert werden. Die Beiträge Kardio MRT und MRT Angiographie erläutern, wie Herzfunktion, Blutfluss und Gefäße ohne ionisierende Strahlung dargestellt werden können.

Je nach Fragestellung kann auch die Darstellung des Brustkorbs relevant sein, etwa zur Abgrenzung anderer Ursachen von Thoraxbeschwerden. Dafür liefern MRT Thorax und CT Thorax zusätzliche Informationen zu bildgebenden Untersuchungen im Brustbereich.

Herzkatheteruntersuchung (Koronarangiographie)

Die Koronarangiographie gilt als Goldstandard zur direkten Darstellung der Herzkranzgefäße. Bei diesem Verfahren wird über einen Katheter Kontrastmittel in die Herzkranzgefäße gespritzt und unter Röntgendurchleuchtung sichtbar gemacht. Sie wird vor allem dann durchgeführt, wenn eine gezielte Behandlung der Engstellen – etwa durch eine Aufdehnung mit Stent oder eine Bypass-Operation – in Betracht kommt.

Für bestimmte Fragestellungen an den Herzkranzgefäßen kann auch eine nicht-invasive CT-Untersuchung relevant sein. Der Artikel Herz CT beschreibt, wie Koronararterien mit der Computertomographie beurteilt werden können.

Behandlungsmöglichkeiten bei Angina pectoris

Die Behandlung der Angina pectoris verfolgt drei wesentliche Ziele: akute Beschwerden lindern, weitere Anfälle verhindern und das Risiko für Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt oder plötzlichen Herztod senken. Eine individuelle Therapieentscheidung trifft stets die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.

Anpassung des Lebensstils und Behandlung von Risikofaktoren

Ein zentraler Baustein ist die Beeinflussung der Risikofaktoren. Dazu gehören insbesondere der Verzicht auf das Rauchen, die konsequente Behandlung eines Bluthochdrucks, eine Senkung erhöhter Cholesterinwerte, die Behandlung eines Diabetes mellitus, eine Gewichtsreduktion bei Übergewicht sowie regelmäßige körperliche Bewegung. Diese Maßnahmen können das Fortschreiten der Arteriosklerose verlangsamen und die Lebensqualität verbessern.

Vorbeugung und Verlaufskontrolle hängen eng mit der allgemeinen Herz-Kreislauf-Gesundheit zusammen. Der Beitrag Herz Kreislauf Erkrankungen ordnet häufige Erkrankungen und Risikofaktoren des Herz-Kreislauf-Systems ein.

Medikamentöse Therapie

Zur akuten Linderung eines Anfalls wird Nitroglycerin als Spray oder Zerbeißkapsel unter die Zunge verabreicht. Es erweitert die Gefäße und entlastet das Herz – die Beschwerden klingen meist innerhalb weniger Minuten ab. Patienten mit bekannter Angina pectoris tragen ein solches Notfallmedikament üblicherweise stets bei sich.

Zur längerfristigen Behandlung und Vorbeugung weiterer Anfälle stehen verschiedene Wirkstoffgruppen zur Verfügung: Thrombozytenaggregationshemmer (etwa Acetylsalicylsäure) zur Vorbeugung von Blutgerinnseln, Betablocker zur Senkung von Herzfrequenz und Blutdruck, lang wirksame Nitrate, Kalziumantagonisten sowie Statine zur Senkung des Cholesterinspiegels. Auch ACE-Hemmer kommen häufig zum Einsatz. Ergänzend können in bestimmten Fällen weitere Substanzen wie Ranolazin oder Ivabradin verordnet werden.

Wiedereröffnung verengter Gefäße (Revaskularisation)

Wenn die Beschwerden trotz medikamentöser Therapie fortbestehen oder die Engstellen ein hohes Risiko bergen, kommen Verfahren zur Wiedereröffnung der Herzkranzgefäße in Betracht. Dazu zählen die perkutane Koronarintervention (PCI), bei der die verengte Stelle mit einem Ballonkatheter aufgedehnt und meist mit einem Stent versorgt wird, sowie die Bypass-Operation, bei der die Engstelle chirurgisch überbrückt wird. Welches Verfahren geeignet ist, hängt unter anderem vom Ausmaß und der Lage der Engstellen sowie von Begleiterkrankungen ab.

Wann sollte bei Angina pectoris ärztliche Hilfe gesucht werden?

Wer erstmals Brustschmerzen, Druck- oder Engegefühl im Brustkorb verspürt, sollte zeitnah ärztlich abklären lassen, ob eine Herzerkrankung vorliegt. Bei einer bereits bekannten stabilen Angina pectoris ist eine ärztliche Vorstellung erforderlich, wenn sich das gewohnte Beschwerdebild verändert – etwa durch häufigere, stärkere oder länger anhaltende Anfälle oder durch Beschwerden, die bei zuvor problemlos bewältigten Tätigkeiten oder bereits in Ruhe auftreten.

Ein medizinischer Notfall liegt vor, wenn:

starke Brustschmerzen länger als etwa fünf Minuten anhalten und durch Ruhe oder Nitroglycerin nicht nachlassen, die Beschwerden erstmals und ungewohnt heftig auftreten, zusätzlich Symptome wie ausgeprägte Atemnot, kalter Schweiß, Übelkeit, Erbrechen, Bewusstseinsstörungen oder ein Vernichtungsgefühl bestehen oder ein Verdacht auf einen Herzinfarkt besteht.

In solchen Fällen sollte umgehend der Rettungsdienst über die Notrufnummer 112 alarmiert werden. Schnelles Handeln kann lebensrettend sein.

Weiterführende Informationen

Ergänzend zur Herzdiagnostik können weitere Untersuchungen je nach individueller Fragestellung sinnvoll sein. Einen breiteren Überblick bietet Ganzkörper MRT, insbesondere wenn Vorsorge oder Verlaufskontrolle im Fokus stehen.

Bei Beschwerden im Oberbauch oder zur Abgrenzung anderer Ursachen kann auch die Bildgebung des Bauchraums relevant sein. Der Beitrag CT Abdomen erklärt typische Einsatzbereiche der Computertomographie im Abdomen.

Für Patienten mit Fragen zu Herzmuskelentzündungen nach Infektionen kann Coronaimpfung und Herzgesundheit eine ergänzende Einordnung geben.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist eine individuelle medizinische Abklärung erforderlich.