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Myokarditis (Herzmuskelentzündung)

Herzmuskelentzuendung

Was bedeutet eine Myokarditis (Herzmuskelentzündung)?

Als Myokarditis wird eine Entzündung des Herzmuskels bezeichnet – des Gewebes, das die eigentliche Pumparbeit des Herzens leistet (medizinisch: Myokard). Im Zuge dieser Entzündung können einzelne Herzmuskelzellen absterben.

Die Entzündung kann den gesamten Herzmuskel betreffen oder auf einen oder wenige Bereiche begrenzt sein. Greift sie auf den Herzbeutel über – die zweischichtige Hülle, die das Herz umgibt –, spricht man von einer Myoperikarditis.

Die Myokarditis wird im deutschen Sprachraum auch als Herzmuskelentzündung bezeichnet, wobei beide Begriffe denselben krankhaften Prozess beschreiben.

Eine Myokarditis kann sehr unterschiedlich verlaufen. Manche Betroffene haben keinerlei Beschwerden, andere entwickeln eine schwere Herzschwäche oder gefährliche Herzrhythmusstörungen. Nach dem zeitlichen Verlauf werden eine akute, eine subakute und eine chronische Form unterschieden; feste Zeitgrenzen gibt es dabei nicht. Klingt die Entzündung nicht innerhalb einiger Monate ab, spricht man von einer chronischen Myokarditis. In einigen Fällen kann eine Myokarditis in eine dauerhafte Herzmuskelschwäche mit Erweiterung der Herzkammern (dilatative Kardiomyopathie) übergehen.

Häufig stehen Myokarditiden im Zusammenhang mit viralen Infekten. Insbesondere seit der Pandemie ist auch das Phänomen einer Herzmuskelentzündung nach Corona verstärkt in den Fokus der Medizin gerückt.

Ursachen und Entstehung einer Myokarditis

Eine Myokarditis kann durch Infektionen oder durch nicht-infektiöse Auslöser entstehen. In vielen Fällen lässt sich keine Ursache feststellen – diese Form wird als idiopathisch bezeichnet.

Infektiöse Ursachen: In Industrieländern ist die Myokarditis am häufigsten durch eine Virusinfektion bedingt. Zu den häufigsten viralen Auslösern zählen Parvovirus B19 und das humane Herpesvirus 6; auch SARS-CoV-2, das COVID-19 verursachende Virus, kann eine Myokarditis hervorrufen. Seltener kommen Bakterien, Pilze oder Parasiten als Erreger in Betracht.

Herzmuskelentzündung

Nicht-infektiöse Ursachen: Dazu gehören für das Herz giftige Substanzen wie Alkohol und Kokain, bestimmte Medikamente sowie einige Autoimmun- und Entzündungserkrankungen, beispielsweise die Sarkoidose. Wird eine Myokarditis durch ein Medikament ausgelöst, spricht man von einer Überempfindlichkeitsmyokarditis. In seltenen Fällen kann eine Myokarditis nach einer Impfung mit einem mRNA-basierten COVID-19-Impfstoff auftreten; betroffen sind überwiegend Jugendliche und junge Männer, meist innerhalb einer Woche nach der Impfung.

Neben viralen Infektionen selbst wird in seltenen Fällen auch ein Zusammenhang mit Vakzinen diskutiert. Erfahren Sie hier mehr über die Coronaimpfung und Herzgesundheit, um Risiken besser einschätzen zu können.

Vereinfacht erklärt entsteht der Schaden am Herzmuskel auf zwei möglichen Wegen: Der Erreger oder die schädigende Substanz kann die Herzmuskelzellen direkt angreifen. Oder das körpereigene Immunsystem reagiert auf den Auslöser und schädigt dabei zugleich das Herzmuskelgewebe. Die Entzündung beeinträchtigt die Funktion des Herzmuskels: Eine ausgedehnte Beteiligung kann zu einer Herzschwäche führen, eine eher umschriebene Beteiligung verursacht seltener eine Herzschwäche, kann aber dennoch Herzrhythmusstörungen und – selten – einen plötzlichen Herztod auslösen.

Eine besondere, seltene und schwere Form ist die Riesenzellmyokarditis, die rasch beginnt und einen schweren Verlauf nehmen kann.

Symptome und Warnzeichen bei Myokarditis

Die Beschwerden einer Myokarditis sind sehr unterschiedlich und hängen von Ursache, Ausmaß und Schwere der Entzündung ab. Manche Betroffene haben nur wenige oder gar keine Symptome.

Häufige Anzeichen sind:

  • Müdigkeit und nachlassende Leistungsfähigkeit
  • Kurzatmigkeit
  • Wassereinlagerungen (Ödeme), etwa in den Beinen
  • spürbares Herzklopfen oder Herzstolpern (Palpitationen)
  • Ohnmacht

Zu den ersten spürbaren Anzeichen einer solchen Erkrankung gehören oftmals funktionelle Beschwerden. Betroffene klagen häufig über ein ausgeprägtes Herzrasen oder ein unregelmäßiges Schlagen des Herzens.

Geht die Myokarditis mit einer Entzündung des Herzbeutels einher, können Brustschmerzen hinzukommen. Diese sind dumpf oder stechend, können in Hals, Rücken oder Schulter ausstrahlen und verstärken sich typischerweise beim Atmen, Husten oder Schlucken; im Sitzen und bei nach vorn geneigtem Oberkörper lassen sie häufig nach.

Sollte die Entzündung zusätzlich auf das Gewebe um das Herz herum übergreifen, liegt oft gleichzeitig eine Herzbeutelentzündung vor, die zu typischen, atemabhängigen Brustschmerzen führt.

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Bei einer infektiösen Myokarditis können der Herzbeteiligung allgemeine Infektionszeichen wie Fieber und Muskelschmerzen vorausgehen. Eine medikamentenbedingte Myokarditis ist mitunter von einem Hautausschlag begleitet.

In manchen Fällen ist eine plötzlich auftretende, schwere Herzrhythmusstörung das erste Symptom.

Diagnostische Verfahren bei Myokarditis

Ein Verdacht auf eine Myokarditis besteht insbesondere dann, wenn ansonsten gesunde Menschen ohne bekannte Risikofaktoren für Herzerkrankungen Anzeichen einer Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen entwickeln. Da kein einzelner Test allein beweisend ist, werden in der Regel mehrere Untersuchungen kombiniert.

Für eine präzise kardiologische Abklärung stehen moderne bildgebende Verfahren zur Verfügung. Ein Kardio MRT gilt dabei als eine der aussagekräftigsten Methoden zur Darstellung von entzündlichen Veränderungen im Gewebe.

Elektrokardiographie (EKG): Das EKG zeichnet die elektrische Aktivität des Herzens auf. Die Befunde sind bei einer Myokarditis nicht spezifisch, können aber auf ein Herzproblem oder Herzrhythmusstörungen hinweisen.

Bluttests (kardiale Biomarker): Bestimmte Eiweißstoffe im Blut – insbesondere Troponin – können erhöht sein, wenn Herzmuskelzellen geschädigt sind.

Echokardiographie (Herzultraschall): Sie beurteilt die Pumpfunktion und Bewegungsabläufe des Herzens. Bei früher oder leichter Myokarditis kann der Befund unauffällig sein.

Magnetresonanztomographie (MRT) des Herzens: Die kardiale MRT ist ein wichtiges bildgebendes Verfahren bei der Diagnose einer Myokarditis. Sie erzeugt mithilfe eines starken Magnetfelds und Radiowellen sehr detaillierte Bilder des Herzmuskels, ohne Röntgenstrahlung einzusetzen. Charakteristisch ist, dass die MRT entzündungstypische Veränderungen des Herzmuskelgewebes sichtbar machen kann – etwa eine vermehrte Flüssigkeitseinlagerung (Gewebeödem) und eine verstärkte Durchblutung des entzündeten Gewebes. Häufig wird die Untersuchung mit einem Kontrastmittel (Gadolinium) durchgeführt; bestimmte Anreicherungsmuster im Herzmuskel sind mit einer Myokarditis vereinbar. Bei manchen Implantaten – etwa Herzschrittmachern oder Defibrillatoren – ist eine MRT nur eingeschränkt möglich; die Verträglichkeit wird vor der Untersuchung stets geprüft.

In manchen Fällen ist es zudem sinnvoll, den gesamten Brustraum radiologisch abzubilden. Ein MRT Thorax ermöglicht eine umfassende Beurteilung der umliegenden Organe und Gefäße ohne Strahlenbelastung.

Herzmuskelentzündung

Endomyokardbiopsie: Bei dieser Untersuchung wird eine kleine Gewebeprobe aus dem Herzmuskel entnommen und unter dem Mikroskop untersucht. Sie gilt als sicherster Nachweis, wird aber wegen möglicher Komplikationen nicht routinemäßig durchgeführt. Sie kommt vor allem bei schweren Verläufen infrage – etwa bei ausgeprägter Herzschwäche, hartnäckigen Herzrhythmusstörungen oder dem Verdacht auf eine Riesenzellmyokarditis, bei der eine rasche Behandlung lebensrettend sein kann.

Sollte der Verdacht auf zusätzliche pulmonale Beteiligungen vorliegen, kann ein MRT Lunge weitere Klarheit über den Zustand des Atmungsapparates liefern.

Ergänzend können weitere Untersuchungen sinnvoll sein. Eine Herzkatheteruntersuchung dient unter anderem dazu, einen Herzinfarkt auszuschließen, da eine Myokarditis ähnliche Beschwerden verursachen kann. Eine Computertomographie (CT) spielt in der Diagnostik der Myokarditis selbst keine zentrale Rolle; sie kann jedoch im Rahmen der Abklärung anderer Ursachen oder bei Beteiligung des Herzbeutels zum Einsatz kommen. Weitere Bluttests dienen der Suche nach der zugrunde liegenden Ursache.

Zur schnellen Ausschlussdiagnostik anderer Ursachen wie Gefäßverengungen kann auch eine Computertomographie des Herzens beitragen. Ein Herz CT liefert hierbei innerhalb kürzester Zeit präzise Schnittbilder der Herzkranzgefäße.

Behandlung und Therapie einer Myokarditis

Die Behandlung der Myokarditis richtet sich nach der Ursache sowie nach Art und Schwere der Beschwerden. Sie wird stets individuell festgelegt. Im Vordergrund stehen zwei Ziele: die Folgen der Herzmuskelentzündung – insbesondere Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen – zu behandeln und, soweit möglich, die zugrunde liegende Erkrankung gezielt anzugehen.

Behandlung von Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen: Bei einer Herzschwäche kommen Medikamente zum Einsatz, die das Herz entlasten und die Beschwerden lindern, darunter entwässernde Mittel sowie verschiedene Wirkstoffgruppen zur langfristigen Behandlung der Herzinsuffizienz. Herzrhythmusstörungen werden mit einer entsprechenden Therapie behandelt; halten Leitungsstörungen an, kann ein Herzschrittmacher erforderlich sein. Bei sehr schweren Verläufen mit ausgeprägter Herzschwäche können mechanische Unterstützungssysteme oder in seltenen Fällen eine Herztransplantation notwendig werden.

Eine der schwersten Komplikationen einer unzureichend therapierten Myokarditis ist die chronische Herzinsuffizienz, bei der die Pumpleistung des Herzens dauerhaft herabgesetzt ist.

Behandlung der Ursache: Bei einer infektiösen Myokarditis steht meist eine unterstützende Behandlung im Vordergrund. Bei vielen viralen Auslösern gibt es keine spezifische antivirale Therapie; bakterielle Ursachen können mit Antibiotika behandelt werden. Wird eine Myokarditis durch ein Medikament oder eine giftige Substanz ausgelöst, wird der Auslöser abgesetzt. Bei bestimmten Formen – etwa der Riesenzellmyokarditis oder einer durch Sarkoidose verursachten Myokarditis – kommen Kortikosteroide oder andere das Immunsystem dämpfende Medikamente zum Einsatz.

Zur weiteren Abklärung von Begleiterkrankungen im Brustraum, wie etwa Lungenveränderungen, kann ergänzend ein CT Thorax herangezogen werden.

Diese Übersicht dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Therapieempfehlung im Einzelfall.

Wann sollte bei Myokarditis ärztliche Hilfe gesucht werden?

Eine ärztliche Abklärung ist empfehlenswert, wenn – insbesondere im Anschluss an eine Infektion – Beschwerden wie ungewöhnliche Müdigkeit, Kurzatmigkeit, Wassereinlagerungen in den Beinen, spürbares Herzklopfen oder Herzstolpern auftreten. Auch Brustschmerzen sollten ärztlich beurteilt werden.

Ein medizinischer Notfall liegt vor bei plötzlichen, starken Brustschmerzen, schwerer Atemnot, Ohnmacht oder Bewusstseinsstörungen. In solchen Fällen sollte unverzüglich der Rettungsdienst über die Notrufnummer 112 verständigt werden.

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch Ärztin oder Arzt.

Weiterführende Informationen

Für ein tieferes Verständnis von begleitenden Symptomen und kardiologischen Zusammenhängen stehen Ihnen weitere detaillierte Ratgeber zur Verfügung:

Quellen

MSD Manual, Ausgabe für medizinische Fachkreise und Ausgabe für Patienten: „Myokarditis“ sowie ergänzend „Perikarditis“. Stand: Mai 2024, zuletzt geändert Oktober 2025 bzw. August 2024.