Eine Magnetresonanztomografie, kurz MRT, kann viele Körperregionen ohne Röntgenstrahlung detailliert abbilden. In zahlreichen Fällen reicht die Untersuchung ohne zusätzlichen Wirkstoff aus. Manchmal lassen sich krankhafte Veränderungen jedoch erst mit Kontrastmittel sicher erkennen, voneinander unterscheiden oder in ihrer Aktivität beurteilen.
MRT Kontrastmittel werden deshalb nicht automatisch bei jeder Untersuchung eingesetzt. Die Entscheidung hängt davon ab, welche medizinische Frage beantwortet werden soll. Geht es beispielsweise um einen Tumor, eine Entzündung, eine Gefäßerkrankung oder eine Durchblutungsstörung, kann die Kontrastmittelgabe wichtige Zusatzinformationen liefern. Gleichzeitig werden mögliche Risiken wie eine eingeschränkte Nierenfunktion, eine frühere Unverträglichkeitsreaktion oder eine Schwangerschaft berücksichtigt.
Was bedeutet eine MRT mit Kontrastmittel?
Bei einer MRT mit Kontrastmittel wird meist eine gadoliniumhaltige Substanz über eine Vene verabreicht. Der Wirkstoff verteilt sich im Blutkreislauf und beeinflusst die magnetischen Eigenschaften benachbarter Wassermoleküle. Dadurch verändert sich das MRT-Signal bestimmter Gewebe. Auffällige Bereiche können sich dann deutlicher von gesundem Gewebe abheben.
Vereinfacht wird manchmal gesagt, das Kontrastmittel „färbe“ bestimmte Strukturen an. Tatsächlich färbt es das Gewebe nicht im eigentlichen Sinn. Es verändert vielmehr die Bilddarstellung und macht Unterschiede sichtbar, die auf den Aufnahmen ohne Kontrastmittel weniger deutlich wären.
Das eingesetzte Gadolinium liegt nicht als freies chemisches Element vor. Es ist an eine Trägersubstanz gebunden, die als Gadolinium-Komplex bezeichnet wird. Diese Bindung ist notwendig, weil freies Gadolinium für den Körper schädlich wäre. Die zugelassenen Präparate unterscheiden sich unter anderem in ihrer chemischen Struktur und Stabilität.
MRT Kontrastmittel sind nicht mit den Kontrastmitteln einer CT oder Röntgenuntersuchung gleichzusetzen. Bei CT-Untersuchungen werden in der Regel jodhaltige Präparate verwendet. Sie gehören zu einer anderen Wirkstoffgruppe und haben andere Eigenschaften, mögliche Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen.

Was kann ein MRT Kontrastmittel zusätzlich zeigen?
Eine MRT ohne Kontrastmittel zeigt vor allem die anatomische Struktur von Organen und Geweben. Mit Kontrastmittel können zusätzlich Informationen über Durchblutung, Gefäßversorgung und bestimmte biologische Vorgänge gewonnen werden.
Das ist besonders hilfreich, wenn eine Veränderung nicht nur örtlich beschrieben, sondern genauer charakterisiert werden soll. Ein auffälliger Bereich kann sich beispielsweise durch eine veränderte Durchblutung, eine gestörte Gewebeschranke oder eine aktive Entzündungsreaktion vom umliegenden Gewebe unterscheiden.
Bei Tumoren kann Kontrastmittel dazu beitragen, auffällige Gewebebereiche besser abzugrenzen. Es kann außerdem helfen, die Ausdehnung einer Veränderung einzuschätzen oder verschiedene Gewebearten voneinander zu unterscheiden. Die MRT allein stellt jedoch keine endgültige Krebsdiagnose. Ob eine Veränderung gutartig oder bösartig ist, kann je nach Situation erst durch die Kombination verschiedener Untersuchungen oder durch eine Gewebeentnahme geklärt werden.
Bei Entzündungen kann die Kontrastmittelaufnahme Hinweise darauf geben, ob ein Prozess aktuell aktiv ist. Das ist beispielsweise bei entzündlichen Veränderungen des Gehirns, des Rückenmarks, der Gelenke oder innerer Organe von Bedeutung.
Auch Blutgefäße lassen sich mit speziellen MRT-Verfahren darstellen. Das Kontrastmittel kann dabei helfen, Gefäßverengungen, Gefäßverschlüsse, Aussackungen oder andere Veränderungen genauer zu beurteilen. Nicht jede Gefäßdarstellung benötigt allerdings einen intravenösen Wirkstoff. Je nach Fragestellung kann auch eine sogenannte MR-Angiografie ohne Kontrastmittel ausreichen.
Wann ist eine MRT mit Kontrastmittel sinnvoll?
Bei Verdacht auf einen Tumor
Eine MRT mit Kontrastmittel wird häufig eingesetzt, wenn ein Tumor vermutet wird oder eine bereits entdeckte Veränderung genauer untersucht werden soll. Das betrifft zum Beispiel das Gehirn, die Wirbelsäule, die Leber, die Bauchspeicheldrüse, das Becken oder die Weichteile.
Kontrastmittel kann zeigen, wie stark ein Bereich durchblutet wird und wie deutlich er sich gegenüber dem umliegenden Gewebe abgrenzt. Dadurch lassen sich die Lage und die Ausdehnung einer Veränderung häufig genauer beurteilen. Auch bei der Planung einer Operation oder einer gezielten Gewebeentnahme können diese Informationen hilfreich sein.
Ob eine Kontrastmittelgabe erforderlich ist, hängt vom Organ, der Größe und dem Erscheinungsbild der Veränderung sowie von den bereits vorliegenden Aufnahmen ab. Eine unklare Struktur im Ultraschall oder in einer CT kann beispielsweise mit einer MRT weiter abgeklärt werden.

Bei entzündlichen Erkrankungen
Entzündetes Gewebe kann eine veränderte Durchlässigkeit kleiner Blutgefäße aufweisen. Gadoliniumhaltiges Kontrastmittel kann dann in Bereiche gelangen, die bei gesundem Gewebe stärker abgeschirmt sind. Auf den MRT-Aufnahmen kann sich eine aktive Entzündung dadurch deutlicher darstellen.
Das kann bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems, bei entzündlichen Gelenkerkrankungen, bei Infektionen oder bei Entzündungen innerer Organe eine Rolle spielen. Bei der Beurteilung von Gehirn und Rückenmark kann die Kontrastmittelaufnahme außerdem helfen, neue oder aktuell aktive Läsionen von älteren Veränderungen zu unterscheiden.
Die Bildgebung muss dabei immer mit Beschwerden, körperlicher Untersuchung und gegebenenfalls Laborwerten zusammen betrachtet werden. Eine Kontrastmittelaufnahme allein beweist nicht automatisch eine bestimmte Erkrankung.
Bei Erkrankungen des Herzens
In der Herz-MRT kann Kontrastmittel bei mehreren Fragestellungen eingesetzt werden. Es kann helfen, Durchblutungsstörungen des Herzmuskels zu erkennen und Narbengewebe sichtbar zu machen. Auch entzündliche Veränderungen des Herzmuskels können sich dadurch besser beurteilen lassen.
Eine wichtige Information ist, ob Herzmuskelgewebe noch vital, also grundsätzlich funktionsfähig, ist oder ob es durch einen früheren Durchblutungsmangel dauerhaft geschädigt wurde. Diese Unterscheidung kann für die weitere Behandlung von Bedeutung sein.
Die Herz-MRT besteht je nach Fragestellung aus mehreren Untersuchungsteilen. Dazu können Aufnahmen in Ruhe, Belastungsuntersuchungen und kontrastmittelgestützte Sequenzen gehören. Nicht jede Herz-MRT benötigt jedoch in gleichem Umfang Kontrastmittel.
Bei Gefäßveränderungen
Mit einer kontrastmittelgestützten MR-Angiografie können bestimmte Blutgefäße detailliert dargestellt werden. Das Verfahren wird beispielsweise genutzt, wenn der Verlauf größerer Gefäße, mögliche Engstellen oder Gefäßaussackungen beurteilt werden sollen.
Welche Gefäßabschnitte sichtbar sind und ob ein Kontrastmittel benötigt wird, hängt von der Körperregion und der technischen Untersuchungstechnik ab. Für einige Gefäßfragen stehen auch kontrastmittelfreie MRT-Verfahren zur Verfügung.
Zur Verlaufskontrolle
Bei bestimmten Erkrankungen kann eine MRT mit Kontrastmittel zur Verlaufskontrolle beitragen. Dabei wird untersucht, ob sich eine bekannte Veränderung vergrößert, zurückgebildet oder in ihrer Aktivität verändert hat. Das kann bei Tumorerkrankungen, entzündlichen Erkrankungen oder nach einer Behandlung relevant sein.
Wiederholte Untersuchungen sollten jedoch jeweils eine konkrete medizinische Frage beantworten. Das Ziel ist nicht, Kontrastmittel routinemäßig einzusetzen, sondern den erwarteten Informationsgewinn gegen mögliche Belastungen abzuwägen.

Wie läuft eine MRT mit Kontrastmittel ab?
Vor der Untersuchung wird zunächst geklärt, welche Körperregion untersucht werden soll und welche diagnostische Frage im Vordergrund steht. Vorbefunde und frühere Aufnahmen können dabei wichtige Hinweise geben. Außerdem wird nach Vorerkrankungen, Medikamenten und früheren Reaktionen auf Kontrastmittel gefragt. Weiterhin ist eine aktuelle Bestimmung der Nierenfunktion erforderlich. Dabei wird häufig der sogenannte eGFR-Wert und der Kreatininwert berücksichtigt, um sicherzustellen, dass keine eingeschränkte Nierentätigkeit vorliegt.
Wenn eine Kontrastmittelgabe vorgesehen ist, wird meist ein venöser Zugang am Arm gelegt. Die Injektion erfolgt während der Untersuchung oder zu einem festgelegten Zeitpunkt zwischen einzelnen Aufnahmeserien. Danach werden weitere MRT-Bilder angefertigt, auf denen sich die kontrastmittelaufnehmenden Strukturen beurteilen lassen.
Die MRT selbst arbeitet nicht mit Röntgenstrahlung. Während der Untersuchung entstehen jedoch laute Klopfgeräusche. Deshalb werden Gehörschutz oder Kopfhörer angeboten. Wichtig ist, möglichst ruhig zu liegen. Bei manchen Untersuchungen müssen Patienten kurz die Luft anhalten oder bestimmte Atemanweisungen befolgen.
Nach der Untersuchung kann der venöse Zugang entfernt werden. Bei normaler Nierenfunktion wird das Kontrastmittel überwiegend über die Nieren ausgeschieden. Besondere Maßnahmen sind in der Regel nicht erforderlich, sofern das Untersuchungsteam nichts anderes empfiehlt.
Welche Risiken und Nebenwirkungen können auftreten?
Gadoliniumhaltige MRT Kontrastmittel werden insgesamt meist gut vertragen. Wenn Beschwerden auftreten, sind sie häufig leicht und vorübergehend. Möglich sind beispielsweise ein Wärme- oder Kältegefühl während der Injektion, Übelkeit, Kopfschmerzen oder Beschwerden an der Einstichstelle.
Überempfindlichkeitsreaktionen sind selten. Warnzeichen sind unter anderem Atemnot, Schwellungen im Gesicht oder Hals, ein ausgeprägter Hautausschlag, Kreislaufbeschwerden oder ein plötzlich starkes Krankheitsgefühl. Treten solche Beschwerden während oder kurz nach der Untersuchung auf, muss sofort das medizinische Personal informiert werden.
Ein besonderes Augenmerk gilt Menschen mit stark eingeschränkter Nierenfunktion. Gadoliniumhaltige Kontrastmittel werden überwiegend über die Nieren ausgeschieden. Bei schwerer Nierenfunktionsstörung wird besonders sorgfältig geprüft, ob eine Kontrastmittelgabe notwendig ist.
Nach wiederholten Gaben können geringe Mengen Gadolinium im Körper nachweisbar bleiben. Dieses Phänomen wurde auch bei Menschen mit normaler Nierenfunktion beobachtet. Die klinische Bedeutung solcher Ablagerungen ist bislang nicht abschließend geklärt; relevante neurologische Beschwerden konnten bisher nicht eindeutig damit in Verbindung gebracht werden. Deshalb wird Kontrastmittel dennoch nur eingesetzt, wenn es für die diagnostische Fragestellung einen nachvollziehbaren Zusatznutzen bietet.
Was ist bei Nierenerkrankungen, Schwangerschaft und Stillzeit zu beachten?
Eine bekannte Nierenerkrankung sollte vor der Untersuchung mitgeteilt werden.
Bei einer leichten oder mäßigen Einschränkung ist eine MRT mit Kontrastmittel nicht automatisch ausgeschlossen. Bei einer deutlich eingeschränkten Nierenfunktion oder einer Dialysebehandlung wird die Entscheidung besonders sorgfältig getroffen. Möglich sind je nach Fragestellung ein Verzicht auf Kontrastmittel, die Wahl eines geeigneten Präparats oder eine alternative Untersuchung.
Eine Schwangerschaft sollte ebenfalls vor der MRT angegeben werden. Die MRT ohne Kontrastmittel kann bei entsprechender medizinischer Notwendigkeit durchgeführt werden. Gadoliniumhaltige Kontrastmittel werden in der Schwangerschaft dagegen grundsätzlich zurückhaltend eingesetzt und nur dann erwogen, wenn die zusätzliche Information für die Behandlung wesentlich ist.
In der Stillzeit ist eine Unterbrechung des Stillens nach intravenöser Gabe eines Gadolinium-Kontrastmittels nach den verfügbaren fachmedizinischen Empfehlungen normalerweise nicht erforderlich. Bei individuellen Besonderheiten kann das Untersuchungsteam die persönliche Situation dennoch genauer besprechen.
Was sollten Patienten vor der Untersuchung beachten?
Vor einer MRT mit Kontrastmittel sollten folgende Informationen mitgeteilt werden:
- bekannte Reaktionen auf ein MRT Kontrastmittel
- schwere Allergien oder Asthma
- eingeschränkte Nierenfunktion oder Dialysebehandlung
- eine bestehende oder mögliche Schwangerschaft
- eine aktuelle oder geplante Schwangerschaft
- frühere MRT-Untersuchungen mit Kontrastmittel
- relevante Vorerkrankungen und Medikamente
Zusätzlich gelten die üblichen Sicherheitsregeln der MRT. Metallische Gegenstände müssen vor dem Betreten des Untersuchungsraums abgelegt werden. Herzschrittmacher, implantierte Pumpen, Cochlea-Implantate, Gefäßclips und andere Implantate müssen unbedingt angegeben werden. Viele moderne Implantate sind unter bestimmten Bedingungen MRT-tauglich, benötigen aber eine genaue Prüfung.
Wann sollte ärztliche Hilfe gesucht werden?
Vor einer geplanten Untersuchung sollte ärztlicher Rat eingeholt werden, wenn bereits eine starke Reaktion auf ein MRT Kontrastmittel aufgetreten ist, eine schwere Nierenerkrankung besteht oder eine Schwangerschaft möglich ist. Diese Angaben können beeinflussen, ob ein Kontrastmittel eingesetzt wird und welches Untersuchungsverfahren geeignet ist.
Während oder unmittelbar nach der Injektion sollte sofort medizinisches Personal informiert werden bei:
- Atemnot
- Schwellungen im Gesicht, Mund oder Hals
- starkem Hautausschlag
- Kreislaufproblemen
- ausgeprägter Übelkeit
- starken Schmerzen oder zunehmender Schwellung an der Einstichstelle
- plötzlich einsetzendem schwerem Unwohlsein
MRT Kontrastmittel sind kein Bestandteil jeder MRT-Untersuchung. Sie werden eingesetzt, wenn sie eine konkrete diagnostische Frage besser beantworten können als eine Untersuchung ohne Kontrastmittel. Besonders bei Tumoren, Entzündungen, Gefäßveränderungen und Erkrankungen des Herzens kann dieser zusätzliche Informationsgewinn entscheidend sein. Die sichere Anwendung beruht auf einer individuellen Nutzen-Risiko-Abwägung, der Berücksichtigung wichtiger Vorerkrankungen und der Auswahl eines geeigneten Präparats.
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch einen Arzt.