Schmerzen im Unterbauch, unklare Beschwerden oder ein auffälliger Ultraschallbefund können viele Ursachen haben. Nicht immer lässt sich sofort feststellen, ob die Veränderung von einem Organ, dem Darm, dem Beckenboden, den Muskeln oder den Knochen ausgeht. Wenn die bisherigen Untersuchungen keine eindeutige Erklärung liefern, kann eine Magnetresonanztomografie des Beckens, kurz MRT-Becken, zusätzliche Informationen geben.
Die MRT stellt Organe und Weichteilgewebe besonders differenziert dar und arbeitet ohne ionisierende Strahlung. Je nach Fragestellung können unter anderem Gebärmutter, Eierstöcke, Prostata, Harnblase, Enddarm, Beckenboden, Lymphknoten und Knochen untersucht werden. Auch die lokale Ausbreitung von Tumoren oder entzündlichen Veränderungen lässt sich häufig genauer beurteilen.
Eine MRT ist jedoch nicht bei jeder Beckenbeschwerde die erste Untersuchung. In vielen Fällen beginnt die Diagnostik mit einer körperlichen Untersuchung, Laborwerten oder einem Ultraschall. Die MRT wird vor allem dann eingesetzt, wenn ein Befund genauer eingeordnet werden muss, die bisherigen Untersuchungen nicht ausreichen oder die Ergebnisse für die weitere Behandlung wichtig sind.

Was bedeutet eine MRT des Beckens?
Bei einer MRT des Beckens werden die Strukturen im unteren Rumpf mithilfe eines starken Magnetfelds und von Radiowellen abgebildet. Anders als bei einer CT entstehen dabei keine Röntgenstrahlen. Die Aufnahmen können in mehreren Ebenen angefertigt werden.
Welche Organe im Mittelpunkt stehen, hängt vom Untersuchungsauftrag ab. Mögliche Untersuchungsbereiche sind:
- Gebärmutter und Gebärmutterhals
- Eierstöcke und Eileiter
- Prostata und Samenblasen
- Harnblase und untere Harnwege
- Enddarm und umliegendes Gewebe
- Beckenboden und Beckenmuskulatur
- Lymphknoten und Blutgefäße
- Beckenknochen und Knochenmark
- Weichteilgewebe und Operationsregionen
Für eine gynäkologische MRT wird ein anderes Untersuchungsprotokoll verwendet als für eine Prostata-MRT oder eine Untersuchung des Enddarms. Je nach Fragestellung kommen unterschiedliche Sequenzen zum Einsatz, mit denen sich beispielsweise Flüssigkeit, Fett, Blutbestandteile, Narbengewebe und feste Gewebestrukturen voneinander unterscheiden lassen.
In bestimmten Fällen wird zusätzlich ein gadoliniumhaltiges Kontrastmittel über eine Vene verabreicht. Es kann die Durchblutung eines Gewebes zeigen und die Abgrenzung von Tumoren, Entzündungen oder unklaren Raumforderungen erleichtern. Eine Kontrastmittelgabe ist jedoch nicht bei jeder MRT des Beckens notwendig.



Was kann eine Becken-MRT zeigen?
Eine MRT kann Veränderungen darstellen, die sich im Ultraschall nur eingeschränkt beurteilen lassen. Dazu gehören unter anderem:
- Raumforderungen an Organen oder im Weichteilgewebe
- Veränderungen der Gebärmutter und der Eierstöcke
- Endometrioseherde
- Entzündungen, Abszesse und Fistelgänge
- Veränderungen der Prostata
- Erkrankungen des Enddarms
- Auffälligkeiten des Beckenbodens
- Knochen- und Knochenmarkveränderungen
- vergrößerte oder auffällige Lymphknoten
- die örtliche Ausbreitung bereits bekannter Tumoren
Bei einer Raumforderung werden Größe, Lage, Begrenzung und Gewebestruktur beurteilt. Zusätzlich wird untersucht, ob benachbarte Organe, Muskeln, Gefäße oder Lymphknoten betroffen sein könnten. Diese Informationen können für die weitere Diagnostik und die Planung einer Behandlung von Bedeutung sein.
Die MRT liefert wichtige Hinweise, stellt aber nicht immer die endgültige Diagnose. Ob eine Veränderung gutartig oder bösartig ist, lässt sich in manchen Fällen erst durch eine Gewebeentnahme sicher klären.
Wann ist eine MRT des Beckens sinnvoll?
Bei unklaren Ultraschallbefunden
Der Ultraschall ist bei vielen Beschwerden im Becken die erste bildgebende Untersuchung. Bei Frauen können Gebärmutter, Eierstöcke und angrenzende Strukturen häufig gut beurteilt werden. Dennoch bleibt manchmal unklar, von welchem Organ eine Veränderung ausgeht oder aus welchem Gewebe sie besteht.
Eine MRT kann dann zusätzliche Informationen liefern. Das gilt beispielsweise für eine nicht eindeutig einzuordnende Raumforderung am Eierstock oder einen Befund an der Gebärmutter, dessen genaue Lage im Ultraschall nicht sicher erkennbar ist.
Bei Endometriose
Endometriose entsteht, wenn gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst. Die Herde können unter anderem an den Eierstöcken, am Bauchfell, an der Harnblase oder am Darm liegen. Häufige Beschwerden sind starke Regelschmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, chronische Unterbauchschmerzen und unerfüllter Kinderwunsch.
Der Ultraschall ist meist die erste bildgebende Untersuchung. Bei Verdacht auf tief infiltrierende Endometriose oder vor einer geplanten Operation kann eine MRT sinnvoll sein. Sie kann die Lage und Ausdehnung von Herden sowie die Beziehung zu Darm, Blase, Gebärmutter und weiteren Beckenstrukturen zeigen.
Für diese Untersuchung wird ein spezielles Protokoll verwendet. Je nach Zentrum kann eine besondere Vorbereitung erforderlich sein, damit sich die Organe besser voneinander abgrenzen lassen und Bewegungen des Darms die Bildqualität möglichst wenig beeinträchtigen.
Bei Erkrankungen der Gebärmutter
Eine MRT kann eingesetzt werden, wenn Veränderungen der Gebärmutter genauer beurteilt werden sollen. Dazu zählen insbesondere Myome und Adenomyose.
Myome sind gutartige Wucherungen der Gebärmuttermuskulatur. Die MRT zeigt, wie viele Myome vorhanden sind, wie groß sie sind und an welcher Stelle der Gebärmutter sie liegen. Diese Informationen können vor einer Operation oder einer anderen Behandlung hilfreich sein.
Bei einer Adenomyose wächst gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe in die Muskelschicht der Gebärmutter ein. Die Erkrankung kann mit starken oder schmerzhaften Regelblutungen und chronischen Beckenschmerzen verbunden sein. In der MRT lassen sich typische Veränderungen der Gebärmutterwand darstellen.
Auch bei einem bekannten Tumor der Gebärmutter oder des Gebärmutterhalses kann die MRT zur Beurteilung der örtlichen Ausbreitung eingesetzt werden. Im Mittelpunkt steht dann die Frage, ob und wie tief das umliegende Gewebe betroffen ist.
Bei Veränderungen an Eierstöcken und Eileitern
Zysten und andere Raumforderungen am Eierstock sind häufig gutartig. Ein Ultraschall kann jedoch nicht immer eindeutig zeigen, aus welchen Bestandteilen eine Veränderung besteht. Die MRT kann Flüssigkeit, Blut, Fett und festes Gewebe besser voneinander unterscheiden.
Darüber hinaus lassen sich die Eileiter und angrenzenden Strukturen beurteilen. Bei einem auffälligen Befund kann die Untersuchung helfen, die weitere gynäkologische Abklärung gezielter zu planen.
Bei Erkrankungen des Enddarms
Bei einem bekannten Rektumkarzinom kann die MRT zeigen, wie weit sich der Tumor örtlich ausgedehnt hat. Beurteilt werden unter anderem die Wandschichten des Enddarms, das umgebende Fettgewebe, nahegelegene Lymphknoten und die Beziehung zu wichtigen Strukturen des Beckens.
Auch bei Abszessen und Fisteln im Bereich des Enddarms kann eine MRT hilfreich sein. Sie macht sichtbar, wie weit sich ein entzündlicher Prozess erstreckt und ob Verbindungen zu benachbarten Geweben bestehen.
Bei Beschwerden des Beckenbodens
Der Beckenboden besteht aus Muskeln und Bindegewebe, die Blase, Darm und die inneren Geschlechtsorgane stabilisieren. Veränderungen können zu Inkontinenz, einem Druckgefühl, einer Organsenkung oder Problemen bei der Darmentleerung führen.
Eine dynamische MRT, auch MRT-Defäkografie genannt, kann den Beckenboden während bestimmter Bewegungs- und Entleerungsvorgänge untersuchen. Sie kommt vor allem infrage, wenn die Beschwerden bestehen bleiben und andere Untersuchungen keine ausreichende Erklärung liefern.


Wie läuft eine MRT des Beckens ab?
Vor der Untersuchung werden Beschwerden, Vorbefunde und der genaue Untersuchungsauftrag besprochen. Je nach Protokoll kann eine besondere Vorbereitung erforderlich sein. Bei einer Endometriose-MRT oder einer Untersuchung des Darms können beispielsweise Vorgaben zur Nahrungsaufnahme, Blasenfüllung oder Darmvorbereitung gelten.
Vor dem Betreten des Untersuchungsraums müssen metallische Gegenstände abgelegt werden. Implantate, Herzschrittmacher, Pumpen, Gefäßclips, Gelenkprothesen und mögliche Metallsplitter müssen angegeben werden. Das genaue Modell eines Implantats kann für die Entscheidung über die MRT wichtig sein.
Während der Untersuchung liegt die Patientin oder der Patient auf einer Liege. Eine Empfangsspule wird über dem Becken positioniert. Die Messungen erzeugen laute Klopfgeräusche, weshalb Gehörschutz oder Kopfhörer verwendet werden.
Es ist wichtig, während der Aufnahmen möglichst ruhig zu liegen. Je nach Untersuchung können kurze Atempausen notwendig sein. Bei einer Kontrastmittelgabe wird zuvor ein venöser Zugang gelegt. Die Dauer hängt vom untersuchten Organ und dem Umfang des Untersuchungsprotokolls ab.
Welche Risiken und Einschränkungen gibt es?
Die MRT selbst verwendet keine ionisierende Strahlung. Das Magnetfeld kann jedoch bestimmte Implantate und metallische Fremdkörper beeinflussen. Eine Untersuchung ist deshalb erst möglich, wenn die MRT-Tauglichkeit geprüft wurde.
Menschen mit ausgeprägter Platzangst sollten dies bereits bei der Terminvereinbarung ansprechen. Je nach Situation können eine besondere Vorbereitung, eine ärztlich verordnete Beruhigung oder ein anderes Untersuchungsgerät infrage kommen.
Gadoliniumhaltige Kontrastmittel werden meist gut vertragen. Seltene Überempfindlichkeitsreaktionen können sich durch Hautausschlag, Schwellungen, Atemnot oder Kreislaufbeschwerden äußern. Bei einer schweren Nierenerkrankung muss die Kontrastmittelgabe besonders sorgfältig abgewogen werden.
Was sollten Patientinnen und Patienten vor der MRT beachten?
Vor einer MRT des Beckens sollten folgende Informationen mitgeteilt werden:
- bestehende oder mögliche Schwangerschaft
- eingeschränkte Nierenfunktion oder Dialysebehandlung
- frühere Reaktionen auf MRT-Kontrastmittel
- bekannte schwere Allergien oder Asthma
- Herzschrittmacher und andere Implantate
- Metallprothesen, Gefäßclips oder Stents
- mögliche Metallsplitter im Körper
- ausgeprägte Platzangst
- frühere Operationen im Beckenbereich
- aktuelle Ultraschall-, CT- oder MRT-Aufnahmen
Ob Nüchternheit notwendig ist, hängt vom Untersuchungsprotokoll ab. Medikamente sollten nicht eigenständig abgesetzt werden. Falls eine besondere Vorbereitung erforderlich ist, informiert das medizinische Team darüber.
Wann sollte ärztliche Hilfe gesucht werden?
Neu aufgetretene oder anhaltende Beckenschmerzen sollten ärztlich untersucht werden. Das gilt ebenso für ungewöhnliche Blutungen, Blut im Urin oder Stuhl, tastbare Veränderungen, Probleme beim Wasserlassen oder eine deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustands.
Sofortige medizinische Hilfe ist erforderlich bei:
- plötzlich auftretenden starken Becken- oder Unterbauchschmerzen
- Kreislaufproblemen oder Ohnmacht
- starken Schmerzen während einer möglichen Schwangerschaft
- hohem Fieber mit ausgeprägtem Krankheitsgefühl
- Blutungen mit Schwindel oder Kreislaufbeschwerden
- neu auftretenden Lähmungen oder Gefühlsstörungen
- starken Schmerzen nach einem Unfall
Eine MRT des Beckens ist vor allem dann sinnvoll, wenn ein Befund aus dem Ultraschall genauer eingeordnet werden muss, die örtliche Ausbreitung einer Erkrankung beurteilt werden soll oder Organe und Weichteile besonders detailliert dargestellt werden müssen. Im gynäkologischen Bereich kann sie bei Endometriose und unklaren Veränderungen an Gebärmutter oder Eierstöcken eingesetzt werden. Die Prostata-MRT unterstützt die Abklärung eines möglichen Prostatakarzinoms und kann die Planung einer gezielten Biopsie erleichtern.
Welche Untersuchung im Einzelfall geeignet ist, hängt von den Beschwerden, den Vorbefunden und der medizinischen Dringlichkeit ab.
Quellen
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch einen Arzt oder einen Arzt.
