Rückenschmerzen sind häufig und meist harmlos. Nach einem Unfall, bei plötzlich starken Beschwerden oder bei bekannten Erkrankungen der Wirbelsäule kann jedoch die Frage entstehen, ob ein Wirbelkörper verletzt, ein Knochen instabil oder der Wirbelkanal eingeengt ist. Eine Computertomographie, kurz CT, kann in solchen Situationen wichtige Informationen liefern.
Die CT der Wirbelsäule ist besonders für die Beurteilung von Knochen geeignet. Sie zeigt Wirbelkörper, Wirbelbögen und Gelenkfortsätze in sehr feinen Schnittbildern. Dadurch lassen sich Frakturen, knöcherne Einengungen und komplexe Veränderungen oft genauer beurteilen als mit einer herkömmlichen Röntgenaufnahme. Bei Verletzungen kann die Untersuchung zudem schnell durchgeführt werden und damit eine wichtige Grundlage für die weitere Behandlung schaffen. 1)
Was ist eine CT der Wirbelsäule?
Die Computertomographie ist ein bildgebendes Verfahren, das mit Röntgenstrahlen arbeitet. Während der Untersuchung kreist eine Röntgenröhre um den Körper und nimmt aus verschiedenen Richtungen Messwerte auf. Ein Computer berechnet daraus Schnittbilder, die einzelne Ebenen der Wirbelsäule darstellen.
Im Unterschied zum konventionellen Röntgenbild überlagern sich die Strukturen bei der CT weniger. Die Wirbel können in axialen, sagittalen und koronaren Ebenen betrachtet werden. Zusätzlich sind dreidimensionale Rekonstruktionen möglich, etwa bei komplizierten Brüchen oder zur Vorbereitung einer Operation.
Untersucht werden kann je nach Fragestellung ein bestimmter Wirbelsäulenabschnitt:
Die Untersuchung erfolgt normalerweise in Rückenlage. Die Patientin oder der Patient liegt auf einer beweglichen Liege, die langsam durch die Öffnung des CT-Geräts fährt. Die eigentliche Bildaufnahme dauert meist nur wenige Sekunden bis Minuten. Wichtig ist, während der Aufnahme möglichst ruhig zu liegen. Bei der Untersuchung der Halswirbelsäule kann der Kopf vorsichtig stabilisiert werden, insbesondere wenn ein Unfall vorausgegangen ist.

Welche Veränderungen kann eine Wirbelsäulen-CT zeigen?
Die CT stellt vor allem die knöchernen Strukturen mit hoher Detailgenauigkeit dar. Sie kann unter anderem folgende Veränderungen sichtbar machen:
Bei Wirbelsäulenverletzungen ist nicht nur entscheidend, ob ein Bruch vorliegt. Ebenso wichtig ist die Frage, wie weit sich die Fraktur ausdehnt, ob mehrere Wirbelsäulenabschnitte betroffen sind und ob eine Instabilität angenommen werden muss. Diese Informationen können die Entscheidung beeinflussen, ob eine konservative Behandlung ausreicht oder eine operative Stabilisierung notwendig wird. 2)
Auch osteoporotische Wirbelkörperfrakturen lassen sich mit der CT genauer einordnen. Dabei kann die Untersuchung helfen, unterschiedliche Frakturformen voneinander abzugrenzen. Die CT zeigt die knöcherne Struktur und das Ausmaß einer möglichen Einbeziehung der hinteren Wirbelkörperanteile. Ob eine Fraktur frisch ist oder schon länger besteht, lässt sich mit der CT allein jedoch häufig nur eingeschränkt beurteilen. Bei unklaren Befunden kann deshalb eine MRT ergänzt werden. 3)
Wann ist eine CT der Wirbelsäule sinnvoll?
Eine CT wird nicht bei jedem Rückenschmerz benötigt. Ob sie medizinisch sinnvoll ist, hängt von den Beschwerden, dem Untersuchungsbefund, möglichen Risikofaktoren und der konkreten diagnostischen Frage ab.
Nach einem Unfall
Nach einem Verkehrsunfall, Sturz oder einer anderen stärkeren Gewalteinwirkung kann die Wirbelsäule verletzt sein. Das gilt auch dann, wenn zunächst nur mäßige Schmerzen bestehen. Besonders an der Halswirbelsäule müssen Frakturen sicher ausgeschlossen werden, weil eine übersehene Verletzung schwerwiegende Folgen haben kann.
Bei einem relevanten Trauma wird die CT häufig eingesetzt, um knöcherne Verletzungen schnell und zuverlässig zu erfassen. Dies betrifft insbesondere Patientinnen und Patienten mit ausgeprägten Nackenschmerzen, Druck- oder Klopfschmerz über der Wirbelsäule, neurologischen Auffälligkeiten oder einem Unfallmechanismus mit hoher Belastung. Bei Bewusstseinsstörungen oder nicht zuverlässig beurteilbaren Beschwerden kann ebenfalls eine weiterführende Bildgebung erforderlich sein.
Die Untersuchung sollte in dieser Situation nicht durch unnötige Bewegungen verzögert werden. Bis zur ärztlichen Abklärung wird die Wirbelsäule bei entsprechendem Verdacht stabilisiert.
Bei Verdacht auf einen Wirbelbruch
Ein Wirbelbruch kann nach einem Unfall entstehen, aber auch ohne größere äußere Einwirkung auftreten. Bei Osteoporose, also einer verminderten Stabilität des Knochens, kann bereits ein leichtes Sturzereignis oder eine alltägliche Belastung zu einer Wirbelkörperfraktur führen.
Hinweise sind neu auftretende, umschriebene und starke Rückenschmerzen, die über mehrere Tage anhalten. Auch ein deutlicher Verlust an Körpergröße oder eine bekannte Osteoporose können Anlass für eine radiologische Untersuchung sein. Eine normale Röntgenaufnahme kann insbesondere frühe oder wenig ausgeprägte osteoporotische Frakturen übersehen. Bei dringendem Frakturverdacht sind daher Schnittbildverfahren wie CT oder MRT erforderlich. 3)
Die CT eignet sich vor allem dazu, die Form und Ausdehnung eines Bruchs zu beurteilen. Die MRT liefert zusätzlich Informationen über das Knochenmark und kann ein Knochenödem als Zeichen einer frischen Verletzung darstellen. Deshalb werden beide Verfahren nicht als Konkurrenz verstanden: Sie beantworten unterschiedliche Fragen.
Bei Verdacht auf eine Einengung des Wirbelkanals
Der Wirbelkanal wird von den Wirbeln gebildet und schützt das Rückenmark beziehungsweise die Nervenstrukturen. Durch Verschleiß, Knochenanbauten oder eine Verletzung kann dieser Raum enger werden. Eine solche Einengung wird als Spinalkanalstenose bezeichnet.
Eine CT kann die knöchernen Ursachen einer Verengung detailliert zeigen. Dazu gehören Veränderungen an den Wirbelgelenken, knöcherne Ausziehungen oder eine Veränderung der Wirbelstellung. Für die Beurteilung des Rückenmarks, der Nervenwurzeln, der Bandscheiben und der Bänder ist die MRT in der Regel aussagekräftiger, weil sie Weichteile besser darstellt. 1)
Wenn eine MRT nicht möglich ist
Bei einem Bandscheibenvorfall oder einer Nervenkompression ist die MRT häufig das bevorzugte Verfahren. Sie kommt ohne Röntgenstrahlung aus und zeigt Rückenmark, Nervenwurzeln, Bandscheiben und andere Weichteile besonders gut.
Eine CT kann dennoch eine Alternative sein, wenn eine MRT nicht durchgeführt werden kann oder die Bildqualität durch bestimmte Faktoren erheblich eingeschränkt wäre. In ausgewählten Fällen kann eine CT-Myelographie eingesetzt werden. Dabei wird ein Kontrastmittel in den Raum um die Nervenstrukturen eingebracht, um den Wirbelkanal und mögliche Einengungen sichtbar zu machen. Dieses Verfahren ist speziellen Fragestellungen vorbehalten und wird nicht routinemäßig durchgeführt.
Zur Operationsplanung und Verlaufskontrolle
Vor einer Operation kann eine CT wichtige anatomische Einzelheiten zeigen. Dazu zählen die genaue Lage eines Bruchs, die knöcherne Beschaffenheit, Fehlstellungen und die Beziehung zu benachbarten Wirbeln. Dreidimensionale Rekonstruktionen können die Planung komplexer Eingriffe unterstützen.
Auch nach einer Operation kann die CT sinnvoll sein, wenn der Sitz von Schrauben oder anderen Implantaten beurteilt werden soll oder der Heilungsverlauf unklar ist. Bei Beschwerden nach einer Wirbelsäulenoperation müssen jedoch immer auch Weichteile, Nerven und das Rückenmark berücksichtigt werden. In solchen Fällen kann zusätzlich eine MRT notwendig sein.
Bei Tumoren, Entzündungen oder besonderen Knochenerkrankungen
Veränderungen an der Wirbelsäule können durch gutartige oder bösartige Tumoren, Metastasen oder entzündliche Erkrankungen entstehen. Die CT zeigt die knöchernen Veränderungen und kann helfen, das Ausmaß einer Läsion zu bestimmen. Für die Beurteilung des Knochenmarks und angrenzender Weichteile ist die MRT häufig ergänzend erforderlich.
Bei einer bakteriellen Entzündung der Wirbelsäule, einer sogenannten Spondylodiszitis, oder bei rheumatischen Erkrankungen wird die MRT meist bevorzugt. Eine CT kann jedoch zusätzliche Informationen über knöcherne Zerstörungen, Verkalkungen oder die Stabilität liefern. Ob Kontrastmittel eingesetzt wird, hängt von der diagnostischen Fragestellung ab.

CT oder MRT der Wirbelsäule: Welche Untersuchung ist geeigneter?
Die Wahl zwischen CT und MRT richtet sich nicht allein nach dem Körperbereich, sondern nach der vermuteten Erkrankung.
Die CT bietet besondere Vorteile bei:
Die MRT ist meist geeigneter bei:
Beide Verfahren können sich ergänzen. Ein CT-Befund beantwortet nicht automatisch alle Fragen, die bei Rückenschmerzen entstehen. Umgekehrt ist eine MRT bei einer komplexen knöchernen Verletzung nicht immer ausreichend, wenn eine genaue Frakturklassifikation oder Operationsplanung erforderlich ist.
Wie läuft die CT der Wirbelsäule ab?
Vor der Untersuchung wird geklärt, welcher Wirbelsäulenabschnitt untersucht werden soll und welche medizinische Frage im Vordergrund steht. Frühere Aufnahmen können hilfreich sein, weil sie einen Vergleich ermöglichen. Schmuck, Gürtel oder andere Gegenstände im Untersuchungsbereich sollten abgelegt werden.
Eine CT der Wirbelsäule wird meistens ohne Kontrastmittel durchgeführt. Das gilt insbesondere, wenn ein Bruch, eine knöcherne Einengung oder eine Verschleißveränderung beurteilt werden soll. Bei bestimmten Fragestellungen, etwa bei Tumoren, Entzündungen oder Veränderungen von Gefäßen, kann ein jodhaltiges Kontrastmittel über eine Vene gegeben werden. 4)
Während der Aufnahme ist es wichtig, ruhig zu liegen. Bei einigen Untersuchungen wird eine kurze Atempause angeleitet. Nach einer CT ohne Kontrastmittel bestehen normalerweise keine besonderen Verhaltensregeln. Wurde Kontrastmittel verabreicht, bleibt die Patientin oder der Patient je nach örtlichem Ablauf noch kurze Zeit zur Beobachtung.
Welche Risiken und Einschränkungen gibt es?
Da die CT mit Röntgenstrahlung arbeitet, ist sie mit einer Strahlenexposition verbunden. Die Untersuchung sollte daher nur durchgeführt werden, wenn der erwartete medizinische Nutzen die möglichen Risiken überwiegt. Das Untersuchungsprotokoll wird auf die Körperregion und die Fragestellung abgestimmt, um die Strahlenbelastung so gering wie möglich zu halten.
Eine Schwangerschaft oder eine mögliche Schwangerschaft sollte vor jeder CT angesprochen werden. Das medizinische Team kann dann prüfen, ob die Untersuchung dringend erforderlich ist und ob eine andere Methode infrage kommt.
Bei einer CT mit Kontrastmittel müssen mögliche Reaktionen auf jodhaltige Kontrastmittel, eine eingeschränkte Nierenfunktion und bestimmte Vorerkrankungen berücksichtigt werden. Bekannte Allergien oder frühere Kontrastmittelreaktionen sollten vor der Untersuchung mitgeteilt werden. Auch Medikamente und relevante Erkrankungen gehören in das Vorgespräch.
Wann sollte ärztliche Hilfe gesucht werden?
Starke oder neu auftretende Rückenschmerzen sollten ärztlich beurteilt werden, insbesondere wenn sie nach einem Unfall oder Sturz begonnen haben. Eine CT sollte nicht eigenständig angefordert werden, ohne dass zuvor die Beschwerden und der neurologische Befund eingeordnet wurden.
Sofortige medizinische Hilfe ist erforderlich bei:
Die CT der Wirbelsäule ist besonders dann sinnvoll, wenn knöcherne Verletzungen oder Veränderungen zuverlässig und schnell beurteilt werden müssen. Sie kann Frakturen genau darstellen, die Stabilität einer verletzten Wirbelsäule einschätzen und die Planung einer Behandlung unterstützen. Für Rückenmark, Nerven, Bandscheiben und Knochenmark ist die MRT häufig aussagekräftiger. Welches Verfahren gewählt wird, hängt deshalb immer von der individuellen Situation und der konkreten medizinischen Fragestellung ab.
Quellen
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch Ärztin oder Arzt.
